Deutscher Zeuge: "Einige waren völlig aufgelöst und weinten“

Frauen intim untersucht: Katar entschuldigt sich

Flughafen von Katar (Symbolfoto).
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29. Oktober 2020 - 18:06 Uhr

Intimuntersuchungen bei mehreren Frauen am Flughafen Doha

Es war eine ehrrührige, zweifelhafte Prozedur, die mehr als ein Dutzend Frauen auf dem Flughafen von Doha über sich ergehen lassen mussten. Sie wurden aus einem Flugzeug geholt um sich einer intimen Untersuchung zu unterziehen. Grund: In einer Toilette des Internationalen Flughafens der Hauptstadt von Katar wurde ein ausgesetzter Säugling gefunden. Ein Deutscher, der an Bord war, erzählte dem Magazin "Spiegel": "Sie wurden sie gegen ihren Willen gynäkologisch untersucht, einige waren völlig aufgelöst und weinten."

Frauen wurden aus Flugzeugen geholt

 Marise Payne, Australiens Außenministerin
Australiens Außenministerin Marise Payne.
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Die Regierung des Golfemirats hat sich für erzwungene Intimuntersuchungen bei mehreren Frauen entschuldigt.  Ziel der Untersuchungen sei gewesen, die "Täter dieses gewaltsamen Verbrechens an der Flucht zu hindern", teilte die Regierung mit. Offenbar sollte festgestellt werden, ob eine der Frauen kürzlich ein Baby geboren hatte.

Passagiere hatten dem australischen TV-Sender "Seven News" zufolge berichtet, dass Frauen aus Flugzeugen geholt und in einem Krankenwagen auf dem Rollfeld eingehend untersucht worden seien. Demnach seien ihnen "Unterwäsche entfernt und ihre Genitalien untersucht" worden. 18 Frauen seien betroffen, darunter 13 Australierinnen, sagte die australische Außenministerin Marise Payne.

Baby hat überlebt und ist in Sicherheit

Der deutsche Jurist Wolfgang Babec sagte in einem "Spiegel"-Interview: "Da wurde das Grundrecht auf Menschenwürde mit Füßen getreten." Die Frauen seien aufgefordert worden, den Flieger zu verlassen, ohne dass man ihnen Gründe dafür genannt hätte. Er bezweifle, dass überhaupt eine Passagierin das Kind geboren habe. "In Katar drohen Müttern von unehelichen Kindern drastische Strafen", so der 53-Jährige.

Die katarische Regierung erklärte, "jegliche Qual oder Verletzung persönlicher Freiheiten" der Reisenden zu bedauern. Die Suche sei kurzfristig beschlossen worden, um die Eltern des Neugeborenen zu finden. Der Säugling sei "in einer Plastiktüte und unter Müll vergraben" in einer Mülltonne gefunden worden. Das Baby sei in Sicherheit und werde in Doha medizinisch versorgt.

Katar immer wieder wegen Menschenrechtsverstößen in der Kritik

Australiens Premierminister Scott Morrison bezeichnete den Vorfall als "entsetzlich und inakzeptabel". Die Regierung in Katar versprach eine "umfassende, transparente Untersuchung" des Vorfalls.

Katar ist Gastgeber der kommenden Fußball-WM 2022 und steht wegen der schlechten Menschenrechtslage international in der Kritik. Erst vergangene Woche hatte Amnesty International einen Bericht über Hausangestellte in Katar veröffentlich, die demnach misshandelt und erniedrigt werden und härtesten Arbeitsbedingungen ausgesetzt sind.

Video: Schock über unfreiwillige Intim-Untersuchung