Frauen in Führungspositionen: So entschuldigen Männer, dass es nicht mehr davon gibt

04. Juni 2018 - 20:43 Uhr

Das können die doch nicht erst meinen?!

Warum gibt es eigentlich nicht mehr Frauen in Führungspositionen? Diese Frage hat das britische 'Department for Business, Energy and Industrial Strategy' Topmanagern und Vorständen britischer Unternehmen gestellt. Die Antworten, die bei der Umfrage herausgekommen sind, klingen wie ein Scherz – die Männer, die sie geäußert haben, meinen das aber leider ernst.

"Frauen wollen sich den Stress einfach nicht antun"

"Ich glaube, Frauen passen einfach nicht in diese Umgebung" war eine der Erklärungen, die Männer dafür hatten, dass es nicht mehr Frauen an die Spitze der Unternehmen geschafft haben. Frauen könnten die komplexen Themen nicht verstehen, die im Vorstand besprochen würden und die "Guten" seien längst schon eingestellt, meinten die Manager in der Umfrage. Und auch die anderen Erklärungsversuche, die die befragten CEOs vorbrachten, lassen ein gruseliges Frauenbild erkennen. Im Video sehen Sie, was die Männer alles vom Stapel gelassen haben. Es ist kaum zu glauben, aber die Zitate stammen alle aus dem Jahr 2018!

Auch in Deutschland sieht die Situation nicht besser aus. Während in Großbritannien in den 30 größten börsennotierten Unternehmen immerhin 20,1 Prozent der Führungskräfte weiblich sind, sind es in Deutschland gerade einmal 12,1 Prozent. Das belegte eine Studie der deutsch-schwedischen 'Allbright Stiftung', die sich für Frauenrechte engagiert. Damit liegt die Bundesrepublik etwa auf dem gleichen Level wie Indien oder die Türkei.

Warum schaffen es so wenige Frauen bis an die Spitze?

"In großen Unternehmen bleiben Männer in Vorständen nach wie vor weitgehend unter sich", meinen auch die Autoren einer Studie im Auftrag des 'Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung' (DIW). Sie kamen zu dem Ergebnis, dass es in Westdeutschland keinen nennenswerten Anstieg von Frauen in Führungspositionen gibt. Aber liegt das wirklich daran, dass Frauen einfach keine Lust haben, "sich den Stress anzutun", den ein so verantwortungsvoller Job mit sich bringt? Oder liegt es daran, dass Frauen systematisch der Weg nach oben verbaut wird?

Fakt ist: Es bewerben sich zu wenige qualifizierte Frauen auf Spitzenpositionen. Das belegt eine Studie des 'Instituts der Deutschen Wirtschaft'. Grund dafür ist vermutlich oft, dass in solchen Positionen die Strukturen zur Kinderbetreuung fehlen. In Betrieben, die auch Führungskräften Teilzeitmodelle anbieten, ist auch der Anteil der Frauen an der Spitze größer.

Freiwillige Frauenquote funktioniert nicht

Ein Problem ist auch, dass es keine einheitliche gesetzliche Frauenquote gibt. Die vor drei Jahren eingeführte Quote von 30 Prozent in Aufsichtsräten funktioniert – aber nur dort, wo es verbindliche Vorgaben gibt. Bei dem Unternehmen, die der Quote nicht unterliegen, ist die Anzahl der Frauen in Führungspositionen deutlich niedriger. "Hier wird deutlich, dass freiwillige Vorgaben kaum Wirkung zeigen", erklärte die Organisation 'Frauen in die Aufsichtsräte'.

Das seit Mai 2015 geltende Gesetz schreibt die Quote von 30 Prozent im Aufsichtsrat nur für die rund 100 größten börsennotierten Unternehmen vor. 4.000 weitere Firmen dürfen sich selbst ein Ziel für den Frauenanteil in Vorstand und anderen Führungsgremien setzen. Oft wird dort die Null festgelegt. "Da muss mehr passieren", meint Bundesfrauenministerin Franziska Giffey (SPD). "Solche Männerclubs sind nicht mehr zeitgemäß – das gilt für die Politik wie auch für die Wirtschaft."