Im Gegensatz zu trinkenden Männern...

Frauen, die Alkohol trinken, werden als sexuell verfügbar wahrgenommen

© iStockphoto, Josip Vinkovic

20. Mai 2019 - 16:32 Uhr

Feuer frei fürs "Slut-Shaming"?

In vielen Fällen sexueller Belästigung oder sogar Vergewaltigung verteidigen sich die Täter damit, dass die Frau alkoholisiert gewesen sei - als ob das eine Einladung dazu sei, sich an ihr zu vergehen. Eine aktuelle Studie zeigt jedoch, dass genau diese Wahrnehmung besteht, wenn Frauen Alkohol trinken. Sowohl männliche als auch weibliche Testpersonen nahmen Frauen mit einem Bier statt einem Wasser in der Hand als "sexuell verfügbar" und "weniger menschlich" wahr. Bei Männern änderte ein Glas Alkohol in der Hand die Wahrnehmung dagegen überhaupt nicht.

Trinkende Frauen gelten als weniger menschlich, intelligent und selbstbeherrscht

Die Studie mit dem Titel "She Looks Like She'd Be an Animal in Bed: Dehumanization of Drinking Women in Social Contexts" ("Sie sieht aus, als wäre sie ein Tier im Bett: Entmenschlichung von trinkenden Frauen im sozialen Kontext") von Forschern des Worcester Polytechnic Institute, der University of Nebraska und der Iowa State University erschien im Magazin "Sex Roles". Darin wurde mit 398 männlichen und weiblichen Teilnehmern untersucht, wie Männer und Frauen auf manipulierten Bildern und in Fake-Social-Media-Profilen entweder mit einem Wasser oder einem Bier in der Hand wahrgenommen wurden.

Die Ergebnisse sind ziemlich schockierend: Beide Geschlechter sahen Frauen, die in der Öffentlichkeit Alkohol tranken, als "sexuell verfügbar" an. Dies wurde anhand der Aussagen erhoben, ob die Personen auf den Bildern wie Singles oder jemand, der Gelegenheitssex gegenüber aufgeschlossen ist, wirkten.

Zudem wurden trinkende Frauen als "unmenschlicher" wahrgenommen als diejenigen, die Wasser tranken. Ihnen wurden Eigenschaften wie fehlende Selbstbeherrschung, mechanisch, kalt, primitiv, oberflächlich, weniger intelligent und vernünftig sowie unmoralisch zugeordnet.

Die Hilfsbereitschaft sinkt, wenn Frauen Alkohol trinken

"Das ist besonders schockierend", so Studienautorin und Psychologin Jeanine Skorinko zur "New York Times". "Denn einfach nur ein Bier in der Hand zu halten, hat die Wahrnehmung von Betrunkenheit und sexueller Verfügbarkeit bei Frauen erhöht, bei Männern aber nicht."

Was diese Erkenntnisse so krass macht: Die Wahrnehmung trinkender Frauen als jemand, der gefährlichen Situationen oder sexuellen Abenteuern gegenüber aufgeschlossen ist, beeinflusse sogar die Hilfsbereitschaft anderer ihnen gegenüber. Ganz nach dem Motto: Sie will es wahrscheinlich selbst so!

Das "Slut-Shaming" muss aufhören!

Es ist jedem Menschen selbst überlassen, ob er oder sie Alkohol trinkt. Keiner kann/sollte/darf von Frauen verlangen, in der Öffentlichkeit auf Bier, Wein oder was auch immer zu verzichten. Und auch, ob oder wie aufgeschlossen eine Frau Gelegenheitssex, One-Night-Stands oder Flirts gegenüber ist, geht niemanden etwas an, als die Frau selbst. Wie kommt es also auch in der angeblich so aufgeklärten heutigen Gesellschaft noch dazu, dass die Schuld für Übergriffe so oft der Frau zugeschoben wird?

"Sie war zu sexy gekleidet", "Sie hatte Alkohol getrunken" oder "Sie hat mich zuerst angeflirtet" - nichts davon ist eine Rechtfertigung, eine Frau zu bedrängen und sexuelle Handlungen durchzuführen, die sie nicht möchte. Nein heißt nein - egal, wie die persönliche Wahrnehmung der Intentionen einer Frau auch ausfallen mag.