Frauen als Sexualstraftäter: "Mythos, dass Mütter ihre eigenen Kinder nicht schädigen"

11. August 2018 - 19:44 Uhr

"Das ist ein Mythos, dass Mütter ihre eigenen Kinder nicht schädigen"

Das grausame Verbrechen von Staufen: Eine Mutter missbraucht gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten den eigenen Sohn, verkauft ihr Kind an Freier, vergewaltigt den Jungen schmerzhafter als alle anderen. Nach der Verurteilung von Berrin T. im Staufen-Prozess warnen Experten, dass dies kein Einzelfall von sexueller Gewalt durch Frauen ist. "Das ist ein Mythos, dass Mütter ihre eigenen Kinder nicht schädigen", erklärt Rechtspsychologin Monika Egli-Alge im Video.

Fehleinschätzungen von Jugendämtern und -gerichten

Doch genau dieser Mythos lebt nicht nur in Film und Fernsehen. Nein, auch Jugendämter und -gerichte, also die zuständigen Behörden, schätzen das Täter-Potenzial von Frauen und Müttern im Speziellen falsch ein. Im Video erklärt die Schweizer Psychologin Egli-Alge, woran das liegt.

Grausame Missbrauchsfälle wie der aus Staufen sprengen bisherige Vorstellungen. "Ich glaube wir sind kurz davor, dass wirklich im Kampf gegen sexuellen Kindesmissbrauch in Deutschland ein neues Kapitel aufgeschlagen wird", erklärt Johannes-Wilhelm Rörig, Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung.

"Dass auch Frauen Kinder missbrauchen, wissen wir nicht erst seit gestern"

Die quälendste aller Fragen nach dem Staufener Prozess: Was trieb die Mutter dazu, ihr Kind, dass sie hätte beschützen müssen, selbst zu missbrauchen und grausamen Demütigungen auszusetzen? Den Jungen "gefügig" zu machen? "Herzurichten" für die Vergewaltigungen, die nicht selten nach extra erdachtem Drehbuch verliefen und von mal zu mal an Heftigkeit und Sadismus zunahmen, wie der Richter ausführte?

Das Gericht war sich letztlich sicher: Der Frau fehlten schlicht Empathie, Werte, ein irgendwie geartetes Gewissen und die Fähigkeit, wahrzunehmen, was andere fühlen. So einfach also. Und so schwer nachvollziehbar. Katja Ravat, die das Kind vor Gericht als Nebenklägerin vertrat, konnte keine Reue bei der Frau erkennen.

Die Juristin sprach zudem von einer hohen Dunkelziffer bei Missbrauchstäterinnen. Der Freiburger Kripo-Chef Peter Egetemaier sagte: "Dass auch Frauen Kinder missbrauchen, wissen wir nicht erst seit gestern." Aber dieser Fall habe die Vorstellungskraft der Ermittler gesprengt. Und er habe einmal mehr den Blick der Polizei geweitet, für das, wozu auch Frauen bei diesen Delikten imstande seien. Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) spricht für das vergangene Jahr von gut vier Prozent weiblicher Tatverdächtiger bei sexuellem Missbrauch von Kindern.