Symptome drastisch unterschätzt

Frau verwechselt Blutvergiftung mit Wechseljahren und stirbt fast

© Caters

14. November 2019 - 14:22 Uhr

Ihre Leichtsinnigkeit hätte Jessica fast mit dem Leben bezahlt

Als die 46-jährige Jessica Middour aus dem US-Staat Pennsylvania ihre Mutter wegen einer Operation ins Krankenhaus bringt, wird ihr plötzlich furchtbar heiß und übel. Das sind nur die Wechseljahre, denkt sie. Kurze Zeit später bricht sie zusammen und kämpft mit dem Leben. Der Grund: Die Symptome, die sie mit ihrer Menopause in Verbindung brachte, waren Anzeichen für eine schwere Sepsis, die durch einen Harnwegsinfekt ausgelöst worden war.

Middour hatte sich schon von ihrer Familie verabschiedet

Middour verbringt mehrere Wochen im Krankenhaus, bis sie endlich nach Hause darf. Als sie denkt, alles sei überstanden, der Schock: Sechs Monate später wird sie erneut in die Klinik eingeliefert – mit der gleichen Diagnose: Sepsis. Auch diesmal übersteht sie die Krankheit, bis sie bei dem dritten Ausbruch droht zu sterben. Sie verabschiedet sich bereits von ihrer Familie. Doch irgendwie schafft sie es auch diesmal, sich wieder zu berappeln und ist nun endlich gesund.

Auch wenn sie weiterhin mit Nachwirkungen wie Gelenkschmerzen und Konzentrationsstörungen zu kämpfen hat, ist sie froh, dass sie überlebt hat. Nun nutzt sie die Chance, mit ihrer Geschichte die Menschen aufzurütteln und Krankheitssymptome nicht zu unterschätzen. "Ich möchte mit meiner Geschichte erreichen, dass Menschen den Arzt auf eine eventuelle Vergiftung ansprechen", so Middour. Was genau bei einer Sepsis passiert, erfahren Sie im Video.

Wie erkennt man eine Sepsis?

Bei einer Sepsis oder Blutvergiftung handelt es sich um eine außer Kontrolle geratene Infektion, die im Verlauf den gesamten Körper betreffen kann. Giftstoffe und Keime verbreiten sich über das Blut im gesamten Organismus.

Wie erkennen Sie eine Sepsis rechtzeitig?

Die Symptome der Sepsis sind sehr allgemein und ähneln einer banalen Erkältung - das macht sie so heimtückisch. Liegt eine Infektion und obendrein folgende Symptome vor, sollten Sie schnellstmöglich zum Arzt gehen:

  • Fieber (mindestens 38 Grad) oder Untertemperatur (höchstens 36 Grad)
  • erhöhter Puls (Ansteigen der Herzfrequenz auf 90 Schläge pro Minute)
  • erhöhte Atemfrequenz (Mindestens 20 Atemzüge pro Minute)
  • Es ist wichtig, dass Sie den Arzt konkret fragen: "Kann das eine Sepsis sein?"

Gibt es Risikogruppen?

Besonders gefährdet sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem - etwa durch Krankheiten, Medikamente oder hohes Alter. Aber auch Junge und Gesunde können eine Sepsis bekommen.

Wo ist die Gefahr einer Sepsis am größten?

Krankenhäuser sind Hochburgen für Erreger: Dort gibt es viele kranke Menschen auf engem Raum. Wegen Operationen, Kathetern und Beatmungsschläuchen sind den Eindringlingen Tür und Tor geöffnet.

Wird eine Blutvergiftung nicht frühzeitig erkannt und sofort behandelt, so kann sie Schock, Multiorganversagen und im schlimmsten Fall den Tod zur Folge haben. Sie verursacht jährlich mehr Todesfälle als Brustkrebs, Prostatakrebs und HIV/AIDS zusammen. In Deutschland sterben jährlich ca. 154.000 Menschen an den Folgen einer Sepsis. Für fast jeden vierten Patienten endet die Erkrankung tödlich.

Da es sich um einen medizinischen Notfall handelt, spielt die Zeit eine entscheidende Rolle. Erfolgt die Diagnosestellung und Behandlung innerhalb der ersten Stunde der Infektion, liegt die Überlebensrate bei über 80 Prozent - nach sechs Stunden nur noch bei 30 Prozent.