Frau in Bonner Siegaue mit Säge bedroht und vergewaltigt: Angeklagter beschimpft Opfer als "Prostituierte"

26. September 2017 - 11:53 Uhr

Brutale Siegauen-Vergewaltigung: Freund des Opfers musste alles mit ansehen

Es ist ein brutales Verbrechen, das jetzt vor dem Bonner Landgericht verhandelt wird. Eric X. soll ein Paar beim Zelten in der Bonner Siegaue überfallen und die junge Frau vor den Augen ihres Freundes vergewaltigt haben. Er bestreitet die Tat nicht nur, sondern beschimpft sein Opfer als Prostituierte.

Angeklagter Eric X.: "Ich habe einfach keine Zeit, mir diese Märchengeschichten anzuhören"

Am Landgericht Bonn hat der Prozess gegen Eric X. begonnen, der wegen Vergewaltigung und schwerer räuberischer Erpressung angeklagt wird.
Der wegen Vergewaltigung und schwerer räuberischer Erpressung Angeklagte sitzt im Landgericht in Bonn an Händen und Füßen gefesselt im Gerichtssaal.
© dpa, Henning Kaiser, hka gfh

Die DNA-Beweise scheinen eindeutig, am Körper des Opfers findet sich Sperma des Mannes. Seine Anwälte raten ihm zu schweigen, doch Eric X. verfolgt seine eigene Strategie. Als der Richter ihn zu dem Fall befragt, wird er ausfallend. Er beleidigt das nicht anwesende Opfer als Prostituierte und wittert eine Verschwörung. "Ich habe einfach keine Zeit, mir diese Märchengeschichten anzuhören", so der 31-Jährige.

Er sei zur Tatzeit in einer Unterkunft im wenige Kilometer entfernten Sankt Augustin gewesen, behauptet er. Die Indizien belegen etwas anderes: Laut der elektronischen Eingangskontrolle hat der Angeklagte die Unterkunft am Abend verlassen und ist erst nachts um 03.06 Uhr zurückgekommen. Außerdem wurde seine DNA am Opfer gefunden. Für Erix X. zählt das nicht: "Wenn das Gericht sagt, dass die DNA passt, muss ich das Mädchen eine Prostituierte nennen", sagt er.

Der Asylbewerber aus Ghana sitzt mit Hand- und Fußfesseln im Gericht. In der Untersuchungshaft war er durch aggressives Verhalten aufgefallen, kam deshalb in eine besonders gesicherte Zelle. Dort versuchte er Feuer zu legen. Auch vor dem Gericht ist der Angeklagte aggressiv und aufbrausend.

Sechs Euro und eine Lautsprecherbox geklaut

Der Überfall und die brutale Vergewaltigung ereigneten sich in der Nacht des 2. Aprils in der Bonner Siegaue bei Troisdorf.
Die Bonner Siegaue bei Troisdorf. Hier kam es in der Nacht des 2. April zu dem brutalen Verbrechen.
© dpa, Volker Lannert, vla fdt

Das brutale Verbrechen in der Bonner Siegaue bei Troisdorf hatte bundesweit für Aufsehen erregt. Laut Anklageschrift soll Eric X. am 2. April kurz nach Mitternacht mit einer Astsäge das Zelt der Opfer aufgeschnitten haben. "Dann baute er sich vor dem Zelt bedrohlich auf und sprach aggressiv auf sie ein", so die Staatsanwältin. Die verängstigten jungen Leute gaben dem Täter sechs Euro und eine Lautsprecherbox.  

Dann richtet der Angeklagte die Säge auf die 23-jährige Frau, befahl ihr, aus dem Zelt zu kommen. Die Studentin hatte Todesangst, musste sich auf eine Decke legen, die ihr Peiniger mitgebracht hatte. Dann habe der 31-Jährige sie vergewaltigt, die machetenähnliche Waffe stets griffbereit. Anschließend flüchtete er. Wenige Tage später wurde der Verdächtige festgenommen, nachdem ein Spaziergänger ihn aufgrund eines Phantombildes erkannt hatte.

Ein Urteil könnte Mitte Oktober fallen. Das Vergewaltigungsopfer war beim Prozessauftakt nicht anwesend. Ihre Anwältin machte deutlich, dass es der jungen Frau bis heute nicht gut gehe.