22. April 2018 - 21:41 Uhr

Absurde Szenen an Unfallstelle in Quakenbrück

Ein Selfie an der Unfallstelle? Oder einfach ein paar Aufnahmen aus nächster Nähe, um sie später den Freunden zu zeigen? Was absurd klingt, ist leider immer öfter bittere Realität an Unfallorten. Für Notfallretter sind die Gaffer nicht nur unangenehm, sondern behindern auch ihre Einsätze. Bei einem Verkehrsunfall in Quakenbrück musste die Polizei jetzt mehrere Platzverweise aussprechen. Nach einem Autounfall hatten zahlreiche Schaulustige das Handy gezückt, anstatt zu helfen.

Platzverweise für Gaffer

Quakenbrück im Landkreis Osnabrück: Am Samstagmittag will ein 18-jähriger Autofahrer mit seinem am Fahrbahnrand geparkten Wagen auf die Straße ausscheren. Dabei übersieht er einen Smart im fließenden Verkehr. Die beiden Wagen stoßen aneinander, der Smart wird umgeworfen und bleibt auf der Seite liegen. Die 49-jährige Fahrerin wird eingeklemmt und kann sich nicht selbst befreien.

Vor Ort waren auch einige Passanten. Doch anstatt der schwerverletzten Frau zur Hilfe zu kommen, zückten die meisten lieber ihre Handys, filmten und machten Fotos. Von diesem Verhalten sind Polizei und Ersthelfer schockiert – zu Recht. Um der Situation Herr zu werden sprachen die Beamten schließlich mehrere Platzverweise aus und sperrten die Unfallstelle ab.

Für ihr Verhalten könnte die Polizei die Gaffer mittlerweile hart bestrafen: 1.000 Euro Bußgeld können dafür anfallen. Für unterlassene Hilfeleistung droht bis zu einem Jahr Gefängnis, für das Fotografieren oder Filmen eines Unfalls sogar bis zu zwei Jahre.

Immer wieder Probleme mit Gaffern an Unfallstellen

Probleme mit Gaffern an Unfallstellen sind kein Einzelfall. Im Februar musste die Polizei in Duisburg-Hochfeld Verstärkung anfordern, weil 150 Schaulustige eine Unfallstelle belagerten. Nach einem tödlichen Unfall auf der A8 im vergangenen Jahr filmte ein Lkw-Fahrer einen vergeblichen Rettungsversuch, anstatt zu helfen. Gegen den Mann wurde Anzeige wegen Verdachts der unterlassenen Hilfeleistung erstattet. Bei einem verheerenden Autounfall auf der A5 in Baden-Württemberg mit vier Toten verursachten Gaffer Anfang des Jahres auf der Gegenfahrbahn drei Auffahrunfälle. Sie hatten auf der Fahrbahn angehalten, um Aufnahmen des schweren Unfalls zu machen.