Geforderter Sicherheits-Nachweis wurde nie erbracht

Frau auf A3 von Betonplatte erschlagen: Pfusch-Konstruktion seit 2008 bekannt

Ein Betonteil einer Lärmschutzwand stürzte auf der Autobahn 3 bei Köln auf einen Wagen und erschlug die Fahrerin
Ein Betonteil einer Lärmschutzwand stürzte auf der Autobahn 3 bei Köln auf einen Wagen und erschlug die Fahrerin
© dpa, WupperVideo, gfh

26. November 2020 - 12:13 Uhr

Immer mehr Schlampereien werden bekannt

Nach dem tödlichen Betonplatten-Unfall auf der A3 bei Köln-Dellbrück kommen weitere Schlampereien ans Licht. Die mangelhafte Konstruktion von Lärmschutzwänden war bereits 2008 bekannt. Das geht aus dem Abnahmeprotokoll aus diesem Jahr hervor, das inzwischen vorliegt, wie der Landesbetrieb "Straßen.NRW" mitteilte. In dem Bericht über das Bauwerk sei die "improvisierte Konstruktion als Mangel aufgeführt" worden. Er sei "nur unter dem Vorbehalt eines statischen Nachweises abgenommen" worden. Dieser sei trotz mehrfacher Aufforderung nicht erbracht worden. Die Baufirma sei mittlerweile insolvent.

Warum erfolgte die Abnahme nicht?

Unklar ist noch, warum die Abnahme nach der Insolvenz nicht durch ein anderes Unternehmen erfolgte. Wie Straßen.NRW berichtete, wurden an weiteren 25 Abschnitten an Autobahnen, Bundesstraßen und Landesstraßen in ganz Nordrhein-Westfalen ähnliche Konstruktionen mit sogenannten Vorsatzschalen verbaut. Alle Lärmschutzplatten würden jetzt einer "handnahen Sichtprüfung" unterzogen. Bislang gebe es aber keinen Hinweis auf "ähnliche nicht regelkonforme Konstruktionen."

In der Nähe des Unfallorts zwischen dem Kreuz Köln-Ost und der Anschlussstelle Köln-Dellbrück waren weitere Mängel an Lärmschutzwänden entdeckt worden. Außer der abgestürzten Platte waren sechs weitere Lärmschutzplatten nicht korrekt angebracht worden. Es sei "offenbar aus Platzgründen bewusst mit geschweißten Winkeln improvisiert" worden, hatte der Landesbetrieb berichtet. Alle Platten sind inzwischen entfernt.

Schäden bei Betonplatten im Rheinalleetunnel

Als Konsequenz aus dem Unfall sichert die Stadt Düsseldorf unterdessen ab Donnerstag in einem Straßentunnel Betonplatten an den Wänden zusätzlich ab. Es handele sich um eine ähnliche Konstruktionsart wie bei der Lärmschutzwand an der Unfallstelle auf der A3, wie die Landeshauptstadt mitteilte.

Bei der aktuell durchgeführten Hauptprüfung 2020 sei eine Schädigung an der "unteren Aufstandsfläche" der Betonplatten in dem Rheinalleetunnel aufgefallen. Deshalb sei nun im gesamten Tunnel ein zusätzlicher Betonverguss geplant. Wegen der Arbeiten wird bis Mitte Dezember außerhalb der Hauptverkehrszeit jeweils eine Spur gesperrt.

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Externer Gutachter soll Abläufe und Organisation prüfen

Nordrhein-Westfalen, Köln: Ein von Straßen.NRW zur Verfügung gestelltes Bild zeigt die Bruchstelle an der Betonplatte der Lärmschutzwand an der Autobahn 3 (A3), die sich gelöst hatte und auf ein vorbeifahrendes Auto gestürzt war
Das ist die Bruchstelle der Lärmschutzplatte.
© dpa, Straßen.NRW, gfh

Als Konsequenz aus dem Unfall an der A3 und dem offenbar nicht nachverfolgten Mangel will das Verkehrsministerium nach eigenen Angaben einen externen Gutachter engagieren, der die "Abläufe und Organisation der Bauwerksprüfung" bei Straßen.NRW überprüfen und bewerten soll: "Unabhängig davon, ob es sich an der A3-Unfallstelle um die Verkettung eines Baumangels mit individuellen Fehlern und Versäumnissen handelt, oder um ein generelles Defizit beim Prozess der Abnahme und Prüfung von Bauwerken."

Auf dem vielbefahrenen Kölner Ring war vor rund zwei Wochen eine Frau in ihrem Wagen von einer tonnenschweren Betonplatte erschlagen worden. Die Platte war aus der Schallschutzmauer heraus auf das Auto der Kölnerin (66) gestürzt. Bei der Untersuchung hatte sich herausgestellt, dass die Platte fehlerhaft befestigt worden war.

Quelle: DPA/RTL.de