Französischer Polizist stirbt bei Terror-Geiseldrama in Trèbes: "Er ist als Held gefallen"

24. März 2018 - 19:16 Uhr

Trèbes: Angreifer tötete vier Menschen

Der Polizist, der sich bei der tödlichen Geiselnahme in einem Supermarkt in Frankreich gegen Geiseln eintauschen ließ und als Held gefeiert wurde, ist seinen Verletzungen erlegen. Das teilte der französische Innenminister Gérard Collomb am Samstagmorgen per Twitter mit. "Frankreich wird niemals seinen Heldentum, seine Tapferkeit und sein Opfer vergessen", schrieb Collom. Ein junger Angreifer hatte am Freitag bei mehreren Attacken in der Region Carcassonne im Süden des Landes insgesamt vier Menschen getötet, 16 weitere wurden verletzt. Nach stundenlangem Drama erschoss die Polizei den Täter, der sich in einem Supermarkt verschanzt hatte.

Frankreich-Präsident Emmanuel Macron sagt dem Terror den Kampf an

Macron: "Er ist als Held gefallen"

Der 45-Jährige Arnaud Beltrame wurde in Frankreich als Held gefeiert, weil er sich bei dem Angriff auf einen Supermarkt gegen Geiseln eintauschen ließ. "Er hat Leben gerettet", sagte Staatschef Emmanuel Macron am Freitag. "Er ist als Held gefallen". Beltrame war allein mit dem Täter im Supermarkt und wurde lebensgefährlich verletzt als der Angreifer aus noch ungeklärten Gründen auf ihn schoss. Die Polizei stürmte daraufhin das Gebäude.

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Laut IS-Sprachrohr Amak war der Angreifer ein "Soldat des Islamischen Staates"

Die Behörden gehen bei dem Anschlag im kleinen Ort Trèbes von einer Terrorattacke aus: "Unser Land hat einen islamistischen Terroranschlag erlitten", sagte Präsident Emmanuel Macron in Paris. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Tat für sich - diese Erklärung werde nun geprüft, sagte Macron. Auch der 26-jährige Angreifer selbst hatte sich auf den IS bezogen, wie die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft von Carcassonne meldete.

Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung wegen Mordes und versuchten Mordes im Zusammenhang mit Terrorismus sowie wegen Freiheitsberaubung ein. Die Behörde ist in Frankreich zentral für alle Terrorfälle im Land zuständig, sie kündigte für Freitagabend eine Pressekonferenz an.

Attentäter brachte ein Auto in seine Gewalt und tötete dabei einen Insassen

23.03.2018, Frankreich, Trebes: Polizisten in einem Ort am Rande von Carcassonne auf der Straße. Bei einer Geiselnahme in einem südfranzösischen Supermarkt hat der Täter sich auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) berufen.    (zu dpa "Geiselnehme
Geiselnahme: Polizisten in einem Ort am Rande von Carcassonne auf der Straße.
© dpa, Uncredited, tba

Frankreich war in den vergangenen Jahren mehrfach Ziel islamistischer Anschläge. Vor allem die schweren Attacken von Paris 2015 und Nizza 2016 hatten das Land schwer erschüttert - der neue Vorfall weckte auch Erinnerungen an die Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt in Paris vor gut drei Jahren. In den vergangenen Monaten war es aber ruhig geblieben, auch wenn die Behörden regelmäßig vor einer anhaltend hohen Gefahr warnen. Zuletzt hatte im Oktober ein Angreifer in Marseille zwei Frauen erstochen, auch dabei hatte der IS die Tat für sich reklamiert.

Vor der Geiselnahme im 5500-Einwohner-Ort Trèbes brachte der Täter nach Angaben von Innenminister Gérard Collomb ein Auto in seine Gewalt. Einer der Insassen sei dabei getötet, der andere schwer verletzt worden. Dann sei er Bereitschaftspolizisten begegnet, die gerade vom Joggen zurückkamen - er eröffnete das Feuer und verletzte einen Beamten an der Schulter. Danach sei der Angreifer nach Trèbes gefahren, habe den Supermarkt betreten, sofort geschossen und zwei weitere Menschen getötet. "Niemand hätte je gedacht, dass es hier einen Anschlag geben könnte", sagte Collomb über den kleinen Ort.

Redouane Lakdim sei polizeibekannt gewesen

Der Mann hat laut dem Minister allein gehandelt. Es handele sich um Redouane Lakdim, der wegen Drogenbesitzes und -handels polizeibekannt war. "Wir haben ihn beobachtet. Wir dachten, dass es keine Radikalisierung gibt. Er ist plötzlich zur Tat geschritten", sagte Collomb. Der Sender Franceinfo berichtete, der Mann sei in einer Datenbank mit Hinweisen zur Vorbeugung von Radikalisierung verzeichnet gewesen. Dies wurde zunächst nicht offiziell bestätigt.

Die Geiselnahme hatte gegen 11 Uhr begonnen. Die Polizei riegelte das Gelände ab, Spezialkräfte rückten an. Ein Polizist ließ sich nach Darstellung des Innenministers freiwillig gegen eine Geisel austauschen - und wurde lebensgefährlich verletzt. Collomb sprach von einer Heldentat. "Er hat Leben gerettet", sagte Macron. Der Beamte habe sein Telefon mit einer offenen Verbindung auf einem Tisch liegen lassen, sagte Collomb. So hätten die Einsatzkräfte hören können, was sich im Supermarkt abspielte. Als Schüsse fielen, seien sie eingeschritten.

Ob der Mann zuvor noch weitere Personen in seiner Gewalt hatte, blieb zunächst unklar. Eine Reihe von Menschen konnte nach Zeugenaussagen aus dem Supermarkt fliehen. Das Gebiet wurde abgeriegelt. Weil zunächst unklar war, ob der Mann allein handelte, mussten Schüler in Trèbes und Carcassonnes zunächst in ihren Schulen bleiben.

Der Angreifer sei ein "Soldat des Islamischen Staates", meldete das IS-Sprachrohr Amak. Er habe damit auf Aufrufe reagiert, die "Staaten der Koalition" anzugreifen. Damit ist das internationale Bündnis gemeint, das unter US-Führung in Syrien und im Irak den IS bekämpft. Die Echtheit der Mitteilung ließ sich zunächst nicht bestätigen. Sie wurde aber über die üblichen Kanäle der Terrormiliz verbreitet.

Merkel bekundet Anteilnahme

Bundeskanzlerin Angela Merkel
Bundeskanzlerin Angela Merkel bekundet ihre Anteilnahme zu dem Terrorakt in Südfrankreich auf dem EU-Gipfel in Brüssel.
© picture alliance

​Der Geiselnehmer soll laut Medienberichten die Freilassung des Terrorverdächtigen Salah Abdeslam gefordert haben. Das meldeten die Sender BFMTV und France 2 ohne Angabe einer klaren Quelle. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür zunächst nicht. Der französische Staatsbürger Abdeslam soll zu einer Zelle der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) gehören, die die schweren Anschläge in Paris im November 2015 und in Brüssel im März 2016 verübte. Er sitzt in Frankreich in Untersuchungshaft.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bekundete ihre Anteilnahme. "Wir sind natürlich bei den Betroffenen und Angehörigen und sprechen ihnen aus vollem Herzen unsere Anteilnahme aus", sagte sie beim EU-Gipfel in Brüssel. "Wir stehen, wenn es um terroristische Bedrohungen geht, natürlich an der Seite Frankreichs und wo immer wir helfen und unterstützen können, werden wir das tun."