Familienministerin Giffey stellt neue Studie vor

Jugendbefragung ergibt: Die Pflege und Kinderbetreuung sind zu schlecht bezahlt

Fehlt es in Zukunft an ErzieherInnen und Pflegekräften?
© dpa, Waltraud Grubitzsch

07. Juli 2020 - 14:31 Uhr

Wer betreut in Zukunft unsere Kinder und pflegt unsere Alten?

Während der Coronakrise haben wir gemerkt, dass ohne sie gar nichts geht: Pflegekräfte und ErzieherInnen. Aber wer kümmert sich in Zukunft um die ganz Jungen und ganz Alten?

Bundesministerin Franziska Giffey hat eine neue Studie zum Thema Attraktivität von sozialen Berufen vorgestellt. Untersucht wurde, für welche Jugendlichen soziale Berufe überhaupt infrage kommen und wie man diese attraktiver gestalten kann.

Soziale Arbeit ist sinnstiftend, aber nicht lukrativ

Die gute Nachricht ist: Berufe in der Pflege und Kinderbetreuung sind für junge Menschen nicht per se uninteressant. Auf Platz 1 stehen zwar Jobs in den Medien – soziale Arbeit steht bei den Jugendlichen, die in der Studie befragt wurden, aber immerhin auf Platz 4. Knapp jeder Vierte kann sich vorstellen, als ErzieherIn zu arbeiten, gut jeder Fünfte als Pflegekraft. Die Jugendlichen schätzen vor allem die Verantwortung und empfinden diese Krankenpflege oder Betreuung von Kindern als sinnstiftend.

Gerade jetzt in der Coronazeit haben diese systemrelevanten Jobs viel Aufmerksamkeit erfahren. "Hieraus ergeben sich neue Potenziale – sofern entsprechende Voraussetzungen künftig erfüllt werden", sagt Dr. Silke Borgstedt, die die Studie durchgeführt hat. Welche Hürden genommen werden müssen, zeigt die Studie ganz deutlich: die Jobs werden zu schlecht bezahlt. Dazu fehle es den Jugendlichen an Aufstiegschancen und guten Arbeitsbedingungen. "Wichtige Hebel, um die Jugendlichen für einen Berufseinstieg zu gewinnen, sind mehr Gehalt, bessere Arbeitsbedingungen und Aufstiegsmöglichkeiten. Hier wollen wir mit Ländern und Tarifpartnern weiter vorankommen", sagt Familienministerin Giffey.

Potential bei Männern und AbiturientInnen

Gerade für AbiturientInnen, sowie für Männer, sind die Berufe weniger interessant. Die befragten Teenager gaben an, dass auch Geschlechterrollen Einfluss auf die Berufswahl haben. So sagte ein Jugendlicher, dass er von seinem Umfeld weniger Unterstützung erfahre, wenn er sich anstatt für einen angesehenen Beruf für die Pflege entscheidet. Das kann auch an fehlenden Vorbildern liegen: Aktuell sind 80% der PflegerInnen und ErzieherInnen weiblich.

Bessere Perspektiven und bezahlte Ausbildungsplätze

"Wir brauchen dringend Nachwuchskräfte für die Pflege und die frühe Bildung. Gerade die vergangenen Monate haben uns gezeigt, dass Pflegefachkräfte und Erzieherinnen und Erzieher für unsere Gesellschaft doppelt systemrelevant sind", so Franziska Giffey. Sie will die sozialen Berufe deshalb interessanter machen:

  • Schulgelder abschaffen und Ausbildung bezahlen
  • Unterstützung durch BAföG-Angebote
  • Milliardenunterstützung der Bundesländer
  • Image-Kampagnen
  • bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen

Nur so könne in Zukunft der Bedarf an ErzieherInnen und PflegerInnen gedeckt werden.

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