Prozess zur WM-Vergabe 2006

Franz Beckenbauer soll aus gesundheitlichen Gründen nicht vernehmungsfähig sein

© dpa, Wolfgang Kumm

19. Juli 2019 - 14:56 Uhr

Verjährung droht

Franz Beckenbauer soll aufgrund gesundheitlicher Probleme im Prozess um die WM-Vergabe 2006 nicht mehr vernehmungsfähig sein. Dies berichtet die "Neue Zürcher Zeitung". Dem Verfahren droht dadurch die Verjährung.

Durchblutungsstörung im Auge

Schon vor einer Woche war bekannt geworden, dass der "Kaiser" an einer Durchblutungsstörung im rechten Augen leidet. Seit dem Augeninfarkt könne Beckenbauer nach eigener Aussage auf dem Auge "wenig bis nichts" sehen. Der 73-Jährige hat zudem bereits zwei Herz-Operationen hinter sich und besitzt eine künstliche Hüfte.

Der Hintergrund

Hintergrund: Im Zuge der WM-Vergabe 2006 soll Beckenbauer zehn Millionen Franken an den Ex-FIFA-Vizepräsidenten Mohamed bin Hammam gezahlt haben. Das Darlehen für die Summe holte sich der Weltmeister bei Ex-Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus.

Zurückgezahlt hat der DFB die Summe im Jahr 2005, über ein Konto der FIFA. Es soll sich dabei um zusätzliche Kosten für die Eröffnungsfeier gehandelt haben. Allerdings wurde ohne einen Verwendungszweck überwiesen. Es ist immer noch unklar, ob die Zahlungen rechtmäßig getätigt worden sind.

Urteil bis Ende April 2020 nötig

Die Ermittlungen im Fall Beckenbauer sind 2016 aufgenommen worden und bis heute nicht abgeschlossen. 15 Jahre nach der Rückzahlung im Jahr 2005 droht nun die Verjährung. Deshalb will die Bundesstaatanwaltschaft den "Kaiser"-Prozess von dem Verfahren gegen drei andere DFB-Funktionäre, unter anderem Theo Zwanziger, trennen. Anders als bei den Übrigen wird gegen Beckenbauer keine Anklage erhoben.

Sollte bis Ende April 2020 kein erstes Urteil vorliegen, ist die vermeintliche Tat verjährt und der frühere OK-Chef der WM 2006 kann nicht mehr bestraft werden.