Frankreich wählt einen neuen Präsidenten und stimmt damit auch über Europa ab

Ein Mann nimmt bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich am 23.04.2017 in einem Wahllokal in Paris (Frankreich) einen Stimmzettel in die Hand. Insgesamt treten in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl elf Kandidaten an. Foto: Emilio Morenatti/AP
Ein Mann nimmt bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich in einem Wahllokal in Paris einen Stimmzettel in die Hand.
EM, dpa, Emilio Morenatti

47 Millionen Franzosen dürfen wählen und ihr Votum könnte große Auswirkungen auf das Schicksal der europäischen Union haben. Vier der elf Kandidaten - François Fillon, Marine Le Pen, Emmanuel Macron, Jean-Luc Mélenchon - haben gute Aussichten darauf, in die Stichwahl einzuziehen. Umfragen ließen ein ungewöhnlich knappes Rennen erwarten. Macron lag zuletzt leicht vor oder auf Augenhöhe mit Le Pen, Fillon und Mélenchon nur wenige Prozentpunkte dahinter.

Le Pen will aus dem Euro und ein Frexit-Votum

Das Ergebnis wird mit Spannung erwartet: Setzen sich beispielsweise die rechte EU-Gegnerin Marine Le Pen und der linke Europa-Kritiker Jean-Luc Mélenchon durch, dürfte ganz Europa morgen früh mit einem heftigen Kater erwachen. Le Pen will ihr Land bei einem Sieg in der Stichwahl aus dem Euro führen und ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft ansetzen. Mélenchon möchte die europäischen Verträge neu verhandeln und über das Resultat in einer Volksbefragung abstimmen lassen, zudem will er das Verteidigungsbündnis Nato verlassen.

Neben den Kandidaten vom rechten und linken Rand werden auch dem Konservativen François Fillon sowie der sozialliberale Aufsteiger Emmanuel Macron gute Aussichten eingeräumt. Für Europa wäre ein Erfolg eines dieser Bewerber eher begrüßenswert. Macron und Fillon stehen zur EU und wollen Frankreich reformieren.

50.000 Polizisten und 7.000 Soldaten schützen die Wahl

Wähler betreten am 23.04.2017 in Henin-Beaumont (Frankreich) das von der Polizei bewachte Wahllokal, in dem die Spitzenkandidatin der Front National, Le Pen, ihre Stimme für die Präsidentschaftswahl in Frankreich abgeben wird. In der ersten Runde tre
Wähler betreten am 23.04.2017 in Henin-Beaumont (Frankreich) das von der Polizei bewachte Wahllokal, in dem die Spitzenkandidatin der Front National, Le Pen, ihre Stimme abgeben wird.
nie sab, dpa, Kay Nietfeld

Die Wahl steht nicht erst dem Terroranschlag am Pariser Prachtboulevard Champs-
Elysees am vergangenen Donnerstag unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen. Ein 39-Jähriger hatte mit einem Kalaschnikow-Sturmgewehr auf Polizisten geschossen und einen von ihnen getötet. Zwei weitere Beamte und eine deutsche Zivilistin wurden verletzt. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Bluttat für sich.

Frankreich war in den vergangenen Jahren Ziel mehrerer islamistischer Anschläge. Nun wählt das wählt das erstmals Land unter den Bedingungen des Ausnahmezustands. Mehr als 50.000 Polizisten und 7.000 Soldaten sind im Einsatz.

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Ergebnisse gegen 20 Uhr erwartet

Eine Frau gibt bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich am 23.04.2017 in einem Wahllokal in Paris (Frankreich) ihre Stimme ab. Insgesamt treten in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl elf Kandidaten an. Foto: Emilio Morenatti/AP/dpa +++(c) dpa
Diese junge Mutter hat schon früh gewählt.
EM, dpa, Emilio Morenatti

Die letzten Wahllokale schließen am Abend um 20 Uhr, frühestens dann wird mit ersten offiziellen Ergebnissen gerechnet. Allerdings könnten schon vorher erste Zahlen durchsickern: Medien in der Schweiz und in Belgien hatten beim vergangenen Mal schon am späten Nachmittag erste Trends verkündet. In manchen französischen Überseegebieten wurde wegen der Zeitverschiebung bereits gewählt.