Frankreich: Nationalversammlung stimmt Homo-Ehe zu

29. Mai 2013 - 20:15 Uhr

Grünes Licht vom Senat gilt als sicher

Nach monatelangen Diskussionen hat die französische Nationalversammlung der Ehe von Schwulen und Lesben ihren offiziellen Segen gegeben. 329 der 577 Abgeordneten stimmten für das Gesetz, 229 dagegen. Damit verbunden ist auch das Adoptionsrecht für Homosexuelle. Nun muss das Gesetz noch durch die zweite Kammer, den Senat. Dort haben die Sozialisten zwar keine eigene Mehrheit. Die Unterstützung anderer Linksparteien gilt bei diesem Gesetz allerdings als sicher.

Homo-Ehe Frankreich Abstimmung Nationalversammlung
Schwule und Lesben sollen in Frankreich heiraten und Kinder adoptieren dürfen.
© dpa, Tim Brakemeier

Zuvor hatte sich das Thema in Frankreich zu einem der umstrittensten Vorhaben von Präsident François Hollande entwickelt. Wie kaum eine andere Reform der immer noch jungen Regierung ließ die Homo-Ehe Emotionen hochkochen.

Bis zur Abstimmung hatten die Abgeordneten einen Sitzungsmarathon hinter sich bringen müssen. Für die mehr als 5.300 Änderungsanträge vor allem der konservativen Opposition brauchten die Parlamentarier zehn Sitzungstage. Nächte und Wochenenden waren ebenfalls für die Beratungen reserviert. Knapp 110 Stunden lang ging es bis Samstagmorgen um das neue Recht für Schwule und Lesben.

Letztlich drehte sich der Streit um den entscheidenden neuen Paragrafen 143 für den berühmten 'Code civil', die französische Vorlage des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuchs. Darin heißt es: "Die Ehe wird geschlossen von zwei Personen unterschiedlichen Geschlechts oder gleichen Geschlechts." Alle weiteren Regelungen - auch das neue Adoptionsrecht - basieren auf diesem Satz.

Im Land der 'égalité' soll damit Gleichheit nun auch für Homosexuelle gelten, inklusive Adoptionsrecht. Vor allem dieser Punkt brachte die 'fraternité', die Brüderlichkeit im Land schwer ins Wanken. Der zunächst von Kirchen und Konservativen getragene Widerstand griff rasch um sich.

Hunderttausende protestierten – dafür und dagegen

Der sozialistischen Regierung blies ein Proteststurm vor allem aus der strukturell konservativen Provinz entgegen. Bereits Ende des vergangenen Jahres kamen die Menschen in vielen Städten zusammen, um bunt und fantasievoll gegen Homo-Ehe und Adoptionsrecht aufzubegehren. Meist bemühten sie sich dabei erfolgreich, schwulen- und lesbenfeindliche Ausgrenzungen zu verhindern.

Zum zentralen Aktionstag im Januar in Paris trommelten die Gegner dann nach eigenen Angaben mehr als eine Million Unterstützer zusammen. Die Polizei zählte allerdings nur 340.000 Teilnehmer. Den Aufstand des konservativen Frankreichs wollten die Befürworter der Homo-Ehe nicht auf sich sitzen lassen. Zwei Wochen später gingen 125.000 (nach Polizeiangaben) bzw. 400.000 (laut Veranstalter) Menschen für Schwule und Lesben auf die Straße.

Das Engagement spiegelte sich auch in den Reihen der Nationalversammlung wider. Selbst nächtlich leere Bänke und allgemeine Erschöpfung hielten die Streitenden nicht von hitzigen Debatten ab.