Frankreich: Immer mehr Babys ohne Arme oder Hände geboren - Behörden rätseln um Ursache

2. November 2018 - 18:48 Uhr

Babys fehlen ganze Gliedmaßen

Die Franzosen sind besorgt um ihren Nachwuchs. Insgesamt 25 Kinder mit genau der gleichen ungewöhnlichen Fehlbildung wurden zwischen 2000 und 2014 in drei französischen Départements geboren. Ihr Schicksal: Ihnen allen fehlen Hände, Arme oder Unterarme. Die Ursache für die Missbildungen liegt noch völlig im Dunkeln. Jetzt soll eine nationale Untersuchung für Aufklärung sorgen.

Gesundheitsbehörde untersucht Fälle

Bei den Bildern fühlen sich viele an die Opfer des Contergan-Skandals erinnert: In den 50er- und 60er-Jahren wurden weltweit mehr als 10.000 missgebildete Kinder geboren, nachdem Schwangere ein Schlafmittel mit dem Wirkstoff Thalimodid eingenommen hatten. Auch vielen der Contergan-Kinder fehlten ganze Gliedmaßen. Umso größer ist jetzt das Verlangen der französischen Bevölkerung nach einer Erklärung.

Die bisher bekannten Fälle wurden im östlichen Département Ain und in der Bretagne sowie dem Département Loire-Atlantique im Nordwesten registriert. Die französische Gesundheitsbehörde geht der Sache jetzt auf den Grund – denn trotz der scheinbar geringen Zahl von Betroffenen handelt es sich um überdurchschnittlich viele Fälle der seltenen Missbildungen. In einer weiteren Untersuchung werden außerdem auch Fehlbildungen von Tieren aus denselben Regionen untersucht.

Sind Pestizide schuld?

Doch bislang tappt die Behörde noch völlig im Dunkeln. Nach Gesprächen mit den betroffenen Familien steht lediglich eine Gemeinsamkeit fest: Alle Betroffenen wohnen ausnahmslos in ländlichen Gebieten. Naturschützer vermuten daher bereits, die Fehlbildungen könnten auf den Gebrauch von Pestiziden zurückzuführen sein. Ein Gendefekt gilt zumindest als weitgehend ausgeschlossen.

Eine Untersuchung des Gesundheitsministeriums soll jetzt für Klarheit sorgen. Gesundheitsministerin Agnès Buzyn versprach eine volle Aufklärung der Hintergründe: "Wir können es nicht einfach damit belassen zu sagen, dass wir keine Ursachen gefunden haben", sagte sie. Es werde auch untersucht, ob die Frauen in ihrer Schwangerschaft etwas Bestimmtes gegessen, getrunken oder eingeatmet haben. Durch einen persönlichen Austausch der Mütter könne es möglicherweis gelingen, die Ursache ausfindig zu machen.

Die Vorkommnisse haben in Frankreich für viel Aufsehen gesorgt, die Bevölkerung drängt nach einer Erklärung. "Ich denke, ganz Frankreich will es wissen", sagte Buzyn. Bis Ende Januar sollen die ersten Ergebnisse vorliegen. Wie die betroffenen Mütter und Kinder mit dem Fehlbildungen leben, das sehen sie in unserem Video.