Frankreich: Flüchtlingschaos nach Eurotunnel-Blockade in Calais

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6. Juli 2015 - 14:15 Uhr

"Die Situation steht kurz vor der Eskalation"

Bereits seit etwa zwei Wochen blockieren streikende Seeleute im nordfranzösischen Calais den Verkehr durch den Eisenbahntunnel unter dem Ärmelkanal. Zudem ist der Hafen der Stadt infolge der Streiks seit Montag geschlossen. Die Seeleute des Fährdienstes 'MyFerryLink' widersetzen sich Plänen des Tunnelbetreibers Eurotunnel, zwei seiner Fährschiffe an einen dänischen Wettbewerber abzutreten, die bislang von 'MyFerryLink' betrieben wurden. Bei hochsommerlichen Temperaturen stecken daher tausende LKW auf beiden Seiten fest und warten auf die Überfahrt.

Angesichts der chaotischen Lage hatte Großbritanniens Premierminister David Cameron die Probleme bereits Mitte der Woche zur Chefsache gemacht und Frankreichs Präsident François Hollande angerufen, um über die "rechtswidrige Blockade" und die Sicherheit im Hafen der nordfranzösischen Stadt zu sprechen.

Noch verschärft wird die Lage derzeit durch in Calais gestrandete Flüchtlinge, die auf eine Gelegenheit warten, auf Lastwagen illegal nach Großbritannien einzureisen. Nach Informationen des 'Guardian' warnt die Gesellschaft des Güterkraftverkehrs eindringlich davor, dass die LKW-Fahrer mehr Schutz vor den Migranten benötigten, die verzweifelt versuchen, auf die Verladestege des Eurotunnels zu kommen.

Der Vorsitzende der Gesellschaft, Richard Burnett, sprach von bedrohlichen Zuständen für die Trucker und fordert dringend eine Entschärfung der angespannten Lage. "Manche von ihnen haben Metallstangen oder Messer, und in einem Fall richtete ein Flüchtling sogar eine Pistole auf einen LKW-Fahrer. Das wird noch irgendjemanden das Leben kosten. Die Situation steht kurz vor der Eskalation", wird er vom 'Guardian' zitiert.

Die Region um Calais ist seit Jahren ein Anziehungspunkt für Migranten, die von dort aus versuchen, nach Großbritannien zu gelangen. Bereits Ende Juni war ein Flüchtling aus Äthiopien ums Leben gekommen, als er versucht hatte, vom Rand des Tunnels auf einen fahrenden LKW aufzuspringen.