Frankreich beschließt Handy-Verbot an Schulen

31. Juli 2018 - 9:44 Uhr

Bisher waren Smartphones nur im Unterricht untersagt

Wenn die Schule nach den Sommerferien wieder losgeht, müssen französische Schüler ohne ihr Smartphone auskommen. Das Parlament in Paris hat nämlich ein erweitertes Handy-Verbot in Schulen beschlossen. Bisher waren die Geräte nur im Unterricht verboten, jetzt ist die Handynutzung auch in den Pausen, sowie vor und nach dem Unterricht tabu.

Nur noch Oberstufenschüler dürfen aufs Handy schauen

Die Abgeordneten stimmten mehrheitlich dafür, dass in allen Vor- und Grundschulen, sowie in der Sekundarstufe I die Nutzung von Mobiltelefonen grundsätzlich verboten wird. Damit dürfen nur noch Oberstufenschüler zwischen den Unterrichtsstunden mal auf ihr Smartphone schauen. Wenn Schüler gegen das Verbot verstoßen und ihr Handy oder Tablet doch in der Schule benutzen, dürfen Lehrer das Gerät zeitweise beschlagnahmen. Zu pädagogischen Zwecken bleiben Smartphones weiterhin erlaubt. Lehrer können sich also entscheiden, sie in den Unterricht miteinzubeziehen.

Präsident Emmanuel Macron hatte schon im Wahlkampf gefordert, dem Gedaddel auf Schulhöfen ein Ende zu setzen. Die federführende Abgeordnete Cathy Racon-Bouzon sagte, die starke Verbreitung von Smartphones bei Schülern sei nicht folgenlos, "insbesondere wegen ihrer Auswirkung auf die Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit". Die Handynutzung in der Pause schade dem Schulklima und verschlechtere die Beziehungen der Schüler untereinander, erklärte Bildungsminister Jean-Michel Blanquer. Außerdem erleichterten Smartphones den Zugriff auf gewaltsame und pornografische Bilder, sagte er.

"Das Mobiltelefon ist nicht das Problem, sondern die Art der Nutzung"

Oppositionspolitiker halten den Vorstoß für überflüssig und eine "reine PR-Aktion". Denn Schulen konnten bisher auch selbst komplette Handyverbote verhängen. Jetzt soll es umgekehrt sein. Handys sind zwar grundsätzlich verboten, Schulen können aber Ausnahmen gestatten, wann Schüler ihre Smartphones doch benutzen dürfen. Auch Frédérique Rolet von der Lehrergewerkschaft SNES-FSU erwartet von dem Gesetz keine große Veränderung. "Das ist eher eine symbolische Maßnahme", sagte sie dem Sender RMC. "Das Mobiltelefon ist nicht das Problem, sondern die Art der Nutzung", meint auch der konservative Abgeordnete Frédéric Reiss.

In Deutschland, wo Bildung Sache der Bundesländer ist, gibt es keine eindeutige Regelung zur Smartphone-Nutzung an Schulen. An den meisten Schulen ist es aber inzwischen auch verboten, Handys zu benutzen. Das wird teils durch die Hausordnungen der einzelnen Schulen, teils durch die Schulgesetze geregelt. Zum Beispiel müssen in Bayern Handys auf dem Schulgelände seit 2006 ausgeschaltet sein.