Frankfurter Westend: Kickboxerin schlug Sextäter in die Flucht

22. August 2018 - 14:20 Uhr

Evrin B. verpasste dem Täter einige Faustschläge

Ein 28-jähriger Familienvater hat drei Frauen im Frankfurter Westend angegriffen und sexuell belästigt. Dafür muss der Triebtäter jetzt für zwei Jahre und zehn Monate hinter Gitter. Eine der Frauen war Evrin B. – eine Kickboxerin. Sie prügelte auf den Angreifer ein und konnte entkommen, leidet aber bis heute unter dem Vorfall.

Nach dem Überfall: Am liebsten hätte sie ihn selbst festgehalten

Evrin B. in Frankfurt
Trotz ihrer mutigen Reaktionen hat das Erlebnis für Evrin B. Folgen.
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Evrin B. war an dem Abend auf einer gut beleuchteten Hauptstraße in der Nähe der Frankfurter Universität auf dem Heimweg. Die 37-Jährige zog sich eine Kapuze über, weil es zu regnen begann und hörte Musik über ihre Kopfhörer, als ein Mann ihr entgegenkam. Sie hatten einen kurzen Blickkontakt, erzählt die Informatik-Studentin, dann verschwand er wieder.

Plötzlich sah sie einen Schatten hinter sich und wurde an der Schulter gepackt. Der Mann fragte nach dem Weg. Er blickte kurz um sich, zog Evrin B. erst in Richtung der Straße und dann ruckartig hin zum Gebüsch.

Die Kickboxerin schrie, so laut sie nur konnte. Sie schlug um sich und verpasste dem 28-Jährigen mehrere Schläge und Tritte – und die saßen. Der Angreifer humpelte über die Straße davon. "Am liebsten hätte ich ihn selbst zur Polizei getragen. Ich habe mich geärgert, dass er entkommen ist", sagt Evrin B.

Rat an junge Frauen: Selbstverteidigung ist sehr wichtig

Frankfurt Uni sexuelle Beslästigung
Nach Verbüßung seiner Freiheitsstrafe muss der gebürtige Inder Deutschland verlassen.
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Bis heute leidet die mutige Frau unter dem Vorfall: "Ich dachte zunächst, es seien mehrere Männer und dass ich entführt werde." Evrin B. blieb stark und reagierte entschlossen: "Ich sagte zu mir: Wenn ich jetzt nichts mache, ist es vorbei." Sie rät deshalb allen jungen Frauen, sich zu wehren: "Es gibt noch andere Täter auf der Welt, die sich das Recht nehmen, sich an Frauen ranzumachen".

Der beste Weg, um Triebtäters abzuschrecken, sei Schreien. "Das kann jedes Mädchen und es hilft am meisten und schreckt sie ab", sagt sie. Aber es gebe auch andere Möglichkeiten, wie etwa Kurse für Selbstverteidigung, so Evrin B., die selbst seit Jahren Kickboxen trainiert. "Wir dürfen uns nach solchen Erlebnissen nicht die Lebensfreude nehmen lassen und auch nicht zuhause einsperren", sagt die 37-Jährige. Frauen sollten rausgehen und mit einem darüber reden, das sei sehr wichtig.

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Ein Lockvogel der Polizei hatte den Mann überführt

Nach der Urteilsverkündung zeigte sich Evrin B. sehr erleichtert: "Es ist gut zu wissen, dass er jetzt hinter Gitter kommt. Es ist beruhigend." Der verheiratete Familienvater wurde zu zwei Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Außerdem muss er 3.000 Euro Schmerzensgeld an eine 23-jährige Frau zahlen, die er nachts in eine Hecke gezerrt und gezwungen hatte, ihn zu befriedigen.

Im Februar dieses Jahres setzte die Polizei eine Beamtin als Lockvogel auf den Mann an. Dieser näherte sich auch ihr: Er nahm auf einer Parkbank neben ihr Platz, machte sexuelle Andeutungen und öffnete seine Hose. Da nahm ihn die Polizistin fest.

Vor Gericht hatte er die Taten gestanden. Nach Verbüßung der Haftstrafe soll der aus Indien stammende Mann nach Italien ausgewiesen werden. Von dort war er vor fünf Jahren nach Deutschland gekommen.