Sandra Ciesek von der Uniklinik Frankfurt

Virologin: Corona-Mutationen sind in Europa nur gemeinsam aufzuhalten

Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Virologie der Universitätsklinik Frankfurt am Main. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa/Archivbild
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27. Januar 2021 - 11:54 Uhr

Virologin aus Frankfurt fordert mehr europäische Zusammenarbeit

"Wir leben nicht isoliert auf einer Insel in Deutschland", sagt die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek. Am Dienstag hat sie sich im NDR-Podcast "Coronavirus-Update" unter anderem für die Vereinheitlichung von Einreiseregeln ausgesprochen. Nur so habe man eine Chance, die Corona-Mutationen aufzuhalten.

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Ausbreitung der Mutationen muss verlangsamt werden

Aus Sicht der Frankfurter Wissenschaftlerin und vieler ihrer Kollegen braucht es einen europaweiten Plan gegen die Coronavirus-Varianten. In Deutschland wurden bisher Mutationen des Coronavirus aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien nachgewiesen. Die Variante aus Großbritannien sei sicher ansteckender, sagte die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt/Main. Ob sie auch tödlicher sei, "kann man im Moment noch nicht abschätzen".

Wegen größerer Nähe, vieler Kontakte und verschiedener Verkehrswege sei es kaum möglich, diese Variante aufzuhalten. Man müsse aber die Ausbreitung verlangsamen, bis alle geimpft seien.

Gute Chancen bei Eindämmung von außereuropäischen Mutationen

Die Varianten aus Brasilien und Südafrika seien in Deutschland bislang kaum verbreitet, sagte Ciesek. Alle Fälle seien "importiert", es seien keine Folgeansteckungen bekannt. Da diese Mutationen nur über Flughäfen eingeschleppt werden könnten, habe man hier bessere Chancen: "Wenn man konsequent testet, nachverfolgt und in Quarantäne steckt, hat man, glaube ich schon eine Chance, dass man das eine Weile eindämmen kann."

Neuansteckung mit Mutation fraglich

Ob sich Patienten nach einer überstandenen Covid-Erkrankung mit einer anderen Variante des Virus neu anstecken können, sei "schwer zu beurteilen", sagte Ciesek. Da Abstriche nicht aufgehoben würden, sei kaum nachzuweisen, ob es sich um ein Wiederaufflammen des Infekts oder eine echte Neuinfektion handle. Eine Studie aus Großbritannien habe zudem gezeigt, dass Menschen bei einer vermuteten zweiten Infektion nur selten schwer erkrankten.

Die Bundesregierung hat sogenannte monoklonale Antikörper für die Therapie gekauft. Für zwei Produkte gibt es in den USA eine Notfallzulassung. Ihr Einsatz senke die Viruslast, erklärte Ciesek. Hilfreich könne das für Patienten sein, die selbst keine Antikörper bilden können, etwa weil ihr Immunsystem heruntergefahren wurde. Sinnvoll sei ein Einsatz im frühen Stadium der Erkrankung oder sogar vorbeugend, eher nicht für Schwerkranke auf Intensivstationen.

Quelle: DPA/ RTL.de