Polizei Zürich zum Mord im Frankfurt Hauptbahnhof

ICE-Schubser Habte A. (40) bedrohte seine eigene Familie

© SAH ZÜRICH/Frederic Meyer

1. August 2019 - 12:33 Uhr

Polizei Zürich informiert über den ICE-Killer von Frankfurt

Die Polizei in Zürich hat in einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag neue Details zum mutmaßlichen Täter vom Frankfurter Hauptbahnhof genannt. Wenige Tage bevor Habte A. den achtjährigen Jungen und seine Mutter vor den einfahrenden ICE gestoßen hatte, soll er seine eigene Familie bedroht haben. 

Verdächtiger wegen psychischen Problemen krankgeschrieben

30.07.2019, Schweiz, Zürich: Bruno Keller (l), stellvertretender Kommandant der Kantonspolizei Zürich, spricht bei einer Pressekonferenz über den aktuellen Erkenntnisstand bezüglich der Ereignisse vom Montag, 29.07.2019, im Frankfurter Hauptbahnhof.
Pressekonferenz in Zürich zu der Attacke im Frankfurter Hauptbahnhof.
© dpa, Ennio Leanza, jga

Der 40-jährige Habte A. aus Eritrea hat mit seiner Frau und seinen drei Kindern bis zuletzt im schweizerischen Kanton Zürich gelebt, so Werner Schmid, Chef der Regionalpolizei. 2006 war der mutmaßliche Täter illegal in die Schweiz eingereist. Seit 2011 ist er in Besitz einer sogenannten Niederlassungsbewilligung. Laut dem Staatssekretariat für Migration hat er somit ein unbeschränktes Aufenthaltsrecht in der Schweiz.

Bis Januar 2019 arbeitet bei den Verkehrbetrieben Zürich (VBZ), bestätigte die Polizei. Seitdem ist er wegen psychischen Problemen krankgeschrieben.

Mutmaßlicher Täter wurde per Haftbefehl gesucht

Vergangene Woche Donnerstag löste der 40-Jährige in seinem Mehrfamilienhaus in der Schweiz einen Polizeieinsatz aus. Er hatte eine Nachbarin nach einem verbalen Streit mit einem Messer bedroht und anschließend in ihrer Wohnung eingesperrt. Im Haus soll er auch seine Ehefrau und die drei Kinder (im Alter von 1, 3 und 4 Jahren) eingeschlossen haben. Die Polizei konnte alle in Sicherheit bringen. Der Eritrea war bereits geflüchtet und wird seitdem in der Schweiz per Haftbefehl gesucht. 

Die Polizei betont: Hinweise auf eine Radikalisierung gebe es nicht. Vielmehr vermutet man psychische Probleme. 

Innenminister spricht von kaltblütigem Mord

Innenminister Horst Seehofer hatte bereits in einer Pressekonferenz am Dienstag von einem "kaltblütigen Mord" gesprochen. Ein solches Ereignis mache fassungslos und "trifft uns mitten ins Herz", so Seehofer. Schweizer Behörden hätten ihn als "Beispielfall gelungener Integration" und "gut integriert" geführt.

Der 40-Jährige hatte am Montagmorgen zuerst eine Mutter und anschließend ihren achtjährigen Sohn vor einen einfahrenden ICE gestoßen. Die Frau konnte sich noch retten, das Kind wurde vom Zug erfasst.