Frankfurt: Mordanklage wegen Teufelsaustreibung - Familie folterte Verwandte in Hotel zu Tode

© dpa, Frank Rumpenhorst

17. Juni 2016 - 14:07 Uhr

Vom Hotelzimmer zur Folterkammer

Für gewöhnlich checken viele Menschen ins Hotel ein, um sich vom Alltagsstress zu erholen. Doch eine fünfköpfige Familie aus Südkorea funktionierte ein Hotelzimmer in Frankfurt am Main kurzerhand zur Folterkammer um: Gemeinschaftlich führten sie an einer engen Verwandten eine Teufelsaustreibung durch und quälten sie so zu Tode. Für diese bestialische Tat ist die Familie nun wegen Mordes angeklagt worden, wie die Frankfurter Staatsanwaltschaft mitteilte.

Gemeinschaftlich sollen die Cousine des Opfers (44), deren Söhne (22, 16) und deren Tochter (19) den grausamen Mord begangen haben. Auch soll ein 15-jähriger Cousin ihrer drei Kinder an dem Exorzismus teilgenommen haben. Mindestens zwei Stunden lang fügte die Familie dem Opfer (41) massive "Schmerzen und Qualen körperlicher Art" zu, "die über das für die Tötung erforderliche Maß weit hinausgingen", erklärte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt. Die bestialische Quälerei führte schließlich zum Tode der Frau: Sie starb, weil erheblicher Druck auf ihren Brustkorb ausgeübt und ihr Hals malträtiert wurde. "Sämtliche Angeschuldigte nahmen ein Ersticken der Frau zumindest billigend in Kauf", heißt es weiter.

Ein Pfarrer rief die Polizei an

Die unfassbare Tat liegt bereits ein halbes Jahr zurück: Im Dezember 2015 teilten sich die sechs Familienmitglieder ein Hotelzimmer. Am frühen Morgen soll das spätere Opfer wild um sich geschlagen und wirre Selbstgespräche geführt haben. Als sie ihre Verwandten angegriffen habe, sei die Entscheidung gefallen, an der Frau eine Teufelsaustreibung vorzunehmen.

Laut Anklage soll die Familie sich auf die Frau gestürzt, sie an den Armen festgehalten und auf den Boden gedrückt haben. Die beiden Teenager sollen sich dann auf die Beine der Frau gesetzt haben, damit sie sich nicht wehren oder fliehen konnte. Der 22 Jahre alte Sohn des Opfers stemmte sein Gewicht gegen ihre Schultern, sodass sie sich nicht aufrichten konnte. Völlig wehrlos soll die Frau ihren Verwandten ausgeliefert gewesen sein. Einige Familienmitglieder sollen sich auf den Oberkörper der Frau gekniet haben, weshalb diese massive Atemprobleme bekommen haben soll. Schließlich soll die 44 Jahre alte Cousine begonnen haben, die Frau am Hals zu würgen. Um ihre Schreie zu ersticken, soll sie ihr ein Handtuch und einen stoffbezogenen Kleiderbügel in den Mund gestopft haben. Während die Frau misshandelt wurde, hielt ihr 22 Jahre alter Sohn ihren Kopf fest.

Die fünf Familienmitglieder befinden sich seit der Tat in Untersuchungshaft. Psychiater konnten bei den Beschuldigten keine seelischen Störungen feststellen, wonach sie nur vermindert schuldfähig wären. Bei den mutmaßlichen Mördern soll es sich um Christen handeln, die auch einen buddhistischen und schamanistischen Hintergrund haben. Ob sie einer bestimmten Sekte oder Kirche angehören, ließ sich bislang nicht aufklären. Fest steht aber, dass sich die 44-jährige Cousine des Opfers nach der Teufelsaustreibung bei einem Pfarrer der koreanisch-evangelischen Zion-Gemeinde gemeldet hat. Dieser rief die Polizei an.