Frankfurt am Main: Erneute Sammelabschiebung nach Afghanistan

© dpa, David Young, dy wok wie csa

23. Mai 2018 - 11:06 Uhr

Proteste gegen Abschiebung am Flughafen Frankfurt am Main

In Kabul ist ein weiterer Abschiebeflieger aus Deutschland gelandet. An Bord befanden sich 15 Personen, die von Frankfurt am Main aus in ihre Heimat nach Afghanistan gebracht worden sind. In letzter Minute soll ein Gericht zwei Abschiebungen gestoppt haben. Demonstranten vor dem Frankfurter Flughafen forderten einen Abschiebestopp.

Insgesamt 234 Männer wurden zurück nach Afghanistan gebracht

Etwa 120 Menschen demonstrierten friedlich gegen die Abschiebungen nach Afghanistan. Dazu hatte das 'Afghan Refugees Movement', eine Gruppe von Exil-Afghanen, aufgerufen. Im Flieger nach Kabul saßen 15 Menschen. Zwei Personen, die auch hätten zurückgebracht werden sollen, wurden anscheinend im letzten Moment vom Gerichtshof vor der Abschiebung bewahrt.

Es ist die 13. Sammelabschiebung seit 2016 in das südasiatische Land, das in Teilen von der radikalislamischen Taliban kontrolliert wird. Erst vor knapp einer Woche hat die Terrororganisation die schwer umkämpfte Provinzhauptstadt Farah eingenommen, dabei sind hunderte Menschen getötet worden. Nach Militärangaben sind 30 Prozent des Landes umkämpft.

Zahlen und Zustände, derentwegen die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl ein Abschiebungsmoratorium für Afghanistan fordert. Denn die Sicherheitssituation in dem Land habe sich in den vergangen Wochen extrem verschlechtert, sagt Günter Burkhardt, Geschäftsführer von Pro Asyl. Insgesamt haben Bund und Länder 234 Männer nach Afghanistan zurückgebracht.

Seit einem schweren Anschlag vor der deutschen Botschaft in Kabul im Mai 2017 beschränkten die deutschen Behörden Abschiebungen auf Straftäter, terroristische Gefährder und Menschen, die "die Mitwirkung an der Identitätsfeststellung hartnäckig verweigern".