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Frank-Walter Steinmeier: Kritik an Facebook-Post mit Konzert-Empfehlung

Frank-Walter Steinmeier: Kritik an Facebook-Post mit Konzert-Empfehlung

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfiehlt per Facebook-Post ein Konzert, bei dem auch die Band "Feine Sahne Fischfilet" auftritt.
imago stock&people, imago/Future Image, Jens Krick

Was ist dran am Vorwurf, der Bundespräsident unterstütze "Feine Sahne Fischfilet"?

Bundespräsident Frank Walter-Steinmeier soll die Punkband "Feine Sahne Fischfilet" unterstützen, der Linksextremismus vorgeworfen wird. Per Facebook-Post empfiehlt er ein Konzert, bei dem auch die Band auftritt.

Posting zum #wirsindmehr-Konzert geteilt

Frank-Walter Steinmeier ist ein eher nüchterner Bundespräsident. Norddeutsch, manche empfinden ihn als spröde bis langweilig. Dennoch kennt der erfahrene Staatsmann alle Finten des politischen Betriebs. Umso verwunderlicher wirkt da der Vorwurf, er unterstütze eine linksextreme Band. Entstanden ist dieser, weil auf der Seite des Bundespräsidenten ein Posting zu einer Veranstaltung geteilt wurde. Am Montag gibt es in Chemnitz ein Konzert unter dem Motto #wirsindmehr. Neben den "Toten Hosen" und "Kraftklub" steht auch die umstrittene Punkband "Feine Sahne Fischfilet" auf der Bühne.

"Warum wirbt Steinmeier für linke Rocker?", schreibt "Bild". Der CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph de Vries zeigt sich in der "Welt" besorgt: "Der Bundespräsident ist unverdächtig, sich mit Linksextremen gemeinzumachen. Aber wer glaubhaft gegen rechts und für Demokratie und Rechtsstaat eintreten will, darf dies nicht an der Seite von linksextremen Polizeihassern und Staatsfeinden machen."

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"Feine Sahne Fischfilet" wurden vom Verfassungsschutz beobachtet

Noch deutlicher wird die Kritik in den Kommentaren des geteilten Postings auf Facebook: "Das ist der absolute Tiefpunkt! Ein Staatsoberhaupt, das Werbung für Bands macht, die "Bullenhelme rollen" sehen wollen, ist in der freien westlichen Welt einmalig. Eine nie dagewesene Entgleisung. Kein Amtsvorgänger hat der Würde dieses hohen Amtes jemals einen so enormen Schaden zugefügt", schreibt etwa ein User. Eine andere fasst es kürzer zusammen: "Bei Ihnen bekommt Neutralität eine völlig neue Bedeutung".

Tatsächlich wurde "Feine Sahne Fischfilet" mehrere Jahre lang in den Verfassungsschutzberichten des Landes Mecklenburg-Vorpommern erwähnt. Der Vorwurf: Die Band lehne das staatliche Gewaltmonopol ab. Im Lied "Staatsgewalt" von 2009 geht es etwa um Gewalt gegen Polizisten: "Wir stellen unseren eigenen Trupp zusammen und schicken den Mob dann auf euch rauf. Die Bullenhelme - sie sollen fliegen. Eure Knüppel kriegt ihr in die Fresse rein und danach schicken wir euch nach Bayern, denn die Ostsee soll frei von Bullen sein", heißt es in dem Text. Und auch 2015 schrieb Sänger Jan Gorkow noch im Text zum Song "Wut": "Die nächste Bullenwache ist nur ein Steinwurf entfernt."

"Wir sind keine Unschuldsengel", sagte Gorkow 2012 dem "Spiegel". "So sollte man uns auch nicht darstellen, das wäre falsch." Dennoch habe es die Band für einen Witz gehalten, als sie erfahren habe, dass der Verfassungsschutz sie erwähnte. Den Song "Staatsgewalt" habe die Band schon vor Jahren geschrieben. "Das spielen wir seit Jahren nicht mehr, weil es uns schlichtweg zu platt rüberkommt", heißt es weiter. Seit 2016 wird die Band nicht mehr in den Berichten des Verfassungsschutzes erwähnt.

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Ist die Kritik an Frank Walter Steinmeier berechtigt?

"Feine Sahne Fischfilet" auf einem Festival
"Feine Sahne Fischfilet" auf dem Taubertal-Festival.
imago stock&people, imago/HMB-Media, Markus Köller

Ist die Kritik an Steinmeier also berechtigt? Wie andere Bands auf dem Konzert auch bezieht "Feine Sahne Fischfilet" klar Stellung gegen Rechtsextremismus. Zwar ist die Band immer noch dem antifaschistischen Spektrum zuzuordnen. Mittlerweile treten die Punker allerdings auf den größten deutschen Festivals des Landes auf. Ihr Album "Sturm und Dreck" erreichte in diesem Jahr Platz drei der Albumcharts, somit zählen sie zu den populärsten Punkbands der Republik. Der kommerzielle Erfolg bedeutet nicht zwangsläufig, dass ihre Texte über alle Zweifel erhaben sind. Sie sollten weiterhin kritisch betrachtet werden, gerade auch hinsichtlich der Vergangenheit der Band.

Von den knapp 120.000 Menschen, die laut Facebook an dem Konzert interessiert sind, dürfte allerdings die überwältigende Mehrheit nicht dem linksextremen Randmilieu zuzuordnen sein. Vielmehr dürfte sie - wie auf den Demonstrationen gegen Rechts in Chemnitz - aus der Mitte der Gesellschaft stammen. Dass es dem Bundespräsidenten weniger darum geht, "Feine Sahne Fischfilet" zu unterstützen, sondern Frank-Walter Steinmeier die Intention der gesamten Veranstaltung unterstützt, ordnet auf Facebook auch sein Social-Media-Team ein: "Der Bundespräsident ermutigt alle, die nach den erschütternden Ereignissen in Chemnitz ein Zeichen für Mitmenschlichkeit und gegen Fremdenfeindlichkeit setzen wollen", heißt es dort.