Auschwitz-Befreiung vor 75 Jahren

Steinmeier warnt: Wir sind nicht "immun gegen das Böse"

Bundespräsident Steinmeier in Israel
© dpa, Bernd von Jutrczenka, bvj lop

23. Januar 2020 - 15:10 Uhr

Steinmeier, Putin und Macron sind zum Welt-Holocaust-Forum nach Israel gereist

Hinter den Mauern des Konzentrationslagers Auschwitz fanden zwischen 1,1 und 1,5 Millionen Menschen aus ganz Europa den Tod – ermordet von den Nazis, verhungert oder zugrunde gegangen an den unmenschlichen Bedingungen im Lager. 90 Prozent von ihnen waren Juden. 75 Jahre ist es jetzt her, dass die russische Rote Armee das Lager befreite. Doch noch heute ist das Konzentrationslager ein Symbol für den Holocaust und die Schreckensherrschaft der Nazis.

An der historischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem erinnern nun zahlreiche Politiker an die Opfer und die Befreiung des Lagers im Januar 1945. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Kremlchef Wladimir Putin und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sind unter anderem zum Welt-Holocaust-Forum nach Israel angereist.

Steinmeier warnt vor Antisemitismus: Jüdische Kinder auf Schulhof bespuckt

 Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Kremlchef Wladimir Putin und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sind unter anderem zum Welt-Holocaust-Forum nach Israel angereist.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Kremlchef Wladimir Putin und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sind unter anderem zum Welt-Holocaust-Forum nach Israel angereist.
© imago images/ZUMA Press, Amos Ben Gershom via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Steinmeier sprach dort als erster deutscher Bundespräsident überhaupt – und warnte davor, wieder in autoritäre Denkmuster zurückzufallen. "Ich wünschte, sagen zu können: Wir Deutsche haben für immer aus der Geschichte gelernt. Aber das kann ich nicht sagen, wenn Hass und Hetze sich ausbreiten.", sagte Steinmeier vor rund 50 Staats- und Regierungschefs. Das Erinnern habe uns nicht "gegen das Böse immun" gemacht.

"Die bösen Geister zeigen sich heute in neuem Gewand. Mehr noch: Sie präsentieren ihr antisemitisches, ihr völkisches, ihr autoritäres Denken als Antwort für die Zukunft, als neue Lösung für die Probleme unserer Zeit", sagte Steinmeier. Dabei verwies er auf jüdische Kinder, die wieder auf deutschen Schulhöfen bespuckt würden. Und an den Anschlag auf eine Synagoge in Halle.

Nicht dieselben Täter – aber dasselbe Böse

Die Lage heute ist laut Steinmeier zwar eine andere als zu Zeiten des Nationalsozialismus. "Natürlich: Unsere Zeit ist nicht dieselbe Zeit. Es sind nicht dieselben Worte. Es sind nicht dieselben Täter", sagte er. "Aber es ist dasselbe Böse. Und es bleibt die eine Antwort: Nie wieder! Niemals wieder!"

Das Bekenntnis zur Schuld der Deutschen erneuerte er: "Die Täter waren Menschen. Sie waren Deutsche. Die Mörder, die Wachleute, die Helfershelfer, die Mitläufer: Sie waren Deutsche", sagte der Bundespräsident. Deutschland stehe zu seiner Verantwortung, "und wir sollen sie mit Ihnen allen verteidigen".