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Fragliche Therapie in Amsterdam: Alkoholkranke bekommen Bier fürs Straßenfegen

Fragliche Therapie in Amsterdam: Alkoholkranke bekommen Bier fürs Straßenfegen

Alkoholtherapie in Amsterdam
In Amsterdam bekommen Alkoholkranke Bier fürs Straßenfegen (Symbolbild).
dpa, Z5597 Robert Schlesinger

Versorgung mit Bier als medizinische Maßnahme

Eine etwas andere Therapie aus Amsterdam sorgt international für Aufsehen: Dort wirbt ein Stadtbezirk seit einem Jahr gezielt Alkoholkranke als Straßenfeger an. Die Bezahlung: Wer sechs Stunden lang kehrt, bekommt zehn Euro, ein halbes Päckchen Tabak und fünf Dosen Bier – morgens zwei, mittags zwei und dann nach Feierabend nochmal eine.

Der Hintergrund: Jahrelang hatte eine Gruppe von bis zu 40 Alkoholikern den Amsterdamer Oosterpark belagert – Schlägereien, wildes Pinkeln und viel Geschrei inklusive. Als die Beschwerden sich häuften und Geldstrafen sowie ein Alkoholverbot nichts brachten, kam die Stadt auf die Idee mit dem 'veegproject'.

"Diese Menschen bekommen damit eine Aufgabe, einen geregelten Tagesablauf – und sie sind raus aus dem Park", sagt Sprecher Caspar Itz, für den das Projekt ein Erfolg ist, im 'Spiegel'. Dabei ist die Versorgung mit Bier als medizinische Maßnahme gedacht. "Es funktioniert wie die Abgabe von Heroin an Abhängige", so Itz. "Eine Suchtexpertin ist immer dabei und kontrolliert, wie viel jeder Einzelne bekommt." Dabei seien die fünf Dosen Bier immer noch weniger, als das, was jeder Einzelne sonst so pro Tag trinken würde.

'veegproject' sorgt für öffentliche Diskussion

Auch die Teilnehmer geben offen zu, dass das Bier den wesentlichen Anreiz darstelle, um die Straße zu fegen. "Wir brauchen Alkohol, um zu funktionieren", sagte einer der Nachrichtenagentur AFP. Doch das Projekt helfe ihm auch, seinen Alltag zu strukturieren.

In der Öffentlichkeit ist dagegen eine Diskussion darüber entbrannt, ob es moralisch vertretbar ist, Alkoholkranke mit Bier zu versorgen. "Sinnvoll ist es sicher, Alkoholikern eine Aufgabe und damit eine feste Tagesstruktur zu geben", sagt Christa Merfert-Diete, Sprecherin der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, im 'Spiegel'. "Warum dann aber neben Geld noch Tabak und Alkohol ausgegeben werden, erschließt sich uns nicht."