22. Mai 2019 - 11:54 Uhr

Spitzenkandidaten der Europawahl bei "Anne Will"

In einer Woche ist Europawahl - und dazu wollte Anne Will Spitzenkandidaten wie Manfred Weber und Katharina Barley in ihrer Sendung befragen. Doch dann kamen das Skandal-Video aus Ibiza und die Neuwahlen in Österreich dazwischen. Das machte die Lage für AfD-Spitzenkandidat Jörg Meuthen nicht leichter. Seine Partei arbeitet auf europäischer Ebene mit der FPÖ zusammen.

AfD-Spitzenkandidat Jörg Meuthen distanziert sich

Deren Parteichef Heinz-Christian Strache hatte sich vor zwei Jahren auf Ibiza um Kopf und Kragen geredet. Er hatte einer vermeintlichen russischen Großspenderin angeboten, dieser nach der Wahl öffentliche Aufträge zuzuschanzen. Meuthen distanzierte sich nun klar davon, will aber weiter mit der FPÖ zusammenarbeiten. Das seien nun einmal Einzelfälle gewesen, sagte er.

„Ihre Bewegung ist käuflich“

Weber wollte ihm das nicht durchgehen lassen. "Ihre Bewegung ist käuflich und nicht patriotisch im besten Sinne", hielt er Meuthen entgegen. Der ebenfalls anwesende "Spiegel"-Journalist Martin Knobbe merkte an, dass Strache immerhin Vorsitzender der FPÖ war und nicht irgendein Parteimitglied. Sein Verhalten sage sehr wohl etwas über die ganze Partei aus.

Weber selbst musste sich aber ebenfalls Fragen gefallen lassen - etwa, warum er kein Wort der Kritik über den österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz verliert. Wie schon zuvor auf Twitter verteidigte er diesen nun auch in der Sendung. Zum Beispiel zur Frage, ob es nicht ein Fehler war, überhaupt mit der FPÖ eine Koalition einzugehen. Die Sozialdemokraten hätten ja eine Regierungsbeteiligung abgelehnt, sagte er. Mit der FPÖ habe Kurz dann eine stabile Regierung bilden können.

Rechtspopulisten salonfähig gemacht?

Grünen-Spitzenkandidatin Ska Keller und Katharina Barley sahen das anders. Keller meinte, mit der Koalition habe Kurz die Rechtspopulisten salonfähig gemacht. Barley hielt Weber vor, dass seine CSU den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán jahrelang zu Parteitagen eingeladen habe - obwohl dieser in seinem Heimatland die Presse- und Kulturfreiheit und die Unabhängigkeit der Justiz "plattgemacht" habe. Weber hielt dagegen, dass er für ein Strafverfahren gegen Ungarn gestimmt habe.

Meuthen versuchte mehrmals die Diskussion auf die Berichterstattung selbst zu lenken. Etwa, indem er Knobbe fragte, warum sein Magazin das Material ausgerechnet eine Woche vor der Europawahl veröffentlicht hatte. Man habe so lange gebraucht, um die Angaben aus dem Video gegenzuchecken, entgegnete Knobbe. Obwohl ihm der Veröffentlichungstermin nicht zu passen schien, bestritt Meuthen, dass die Enthüllungen die Rechtspopulisten zurückwerfen könnten. Wer Recht behält, wird sich erst am 26. Mai zeigen.