Fortpflanzung im Reagenzglas: Japaner züchten künstliche Eizelle

Diese Jungen dieser Maus sind aus den künstlich erzeugten Eizellen entstanden.
© dpa, Katsuhiko Hayashi

06. Oktober 2012 - 10:41 Uhr

Schritt zur Fortpflanzung im Reagenzglas?

Japanischen Forschern ist ein Erfolg in der Stammzellenforschung gelungen – Katsuhiko Hayashi von der Kyoto Universität und seine Mitarbeiter haben aus Mäuse-Stammzellen funktionstüchtige Eizellen gewonnen. Zumindest im Tierversuch entwickelten sich aus den künstlich befruchteten Eizellen augenscheinlich gesunde Mäuse, die selbst fruchtbar waren. Ein weiterer Schritt zur Fortpflanzung im Reagenzglas? Ähnliche Versuche waren japanischen Wissenschaftlern bereits mit Spermien gelungen.

Für ihre Experimente nutzten die Forscher zwei Arten von Stammzellen: Embryonale Stammzellen, die aus Embryonen gewonnen werden und sich in jede beliebige Zelle des Körpers weiterentwickeln können sowie sogenannte induzierte, pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen). Letztere werden aus bereits ausgereiften Körperzellen gewonnen und sind daher ethisch unbedenklicher.

Die Forscher verwandelten die Stammzellen über genetische Manipulationen zunächst in künstliche Urkeimzellen. Aus ihnen gehen Eizellen und Spermienzellen hervor. Mit Zellen aus den Eierstöcken von Mäusen kultivierten sie die Urkeimzellen zu einer Art künstlichem Eierstock. Schließlich implantierten sie den Komplex in die Eierstöcke der Mäuse-Weibchen, wo sich Eizellen entwickelten. Die gereiften Zellen wurden wieder entnommen und künstlich befruchtet, die Embryonen verpflanzten die Forscher zurück in die Mäuse-Weibchen.

Vielversprechende Ergebnisse trotz niedriger Erfolgsrate

Beide Stammzellenarten lieferten als Ergebnis einen gesunden Mäusenachwuchs, der sich vermehrte. Die Erfolgsrate der Versuche ist allerdings noch nicht sehr hoch. Dennoch liefere die Arbeit eine solide Grundlage, um auch beim Menschen die Entwicklung von Eizellen im Labor weiter zu entwickeln, meinen die Forscher. Das ist eine zentrale Voraussetzung, um bestimmte Formen der Unfruchtbarkeit beim Menschen behandeln zu können.

Auch ein anderes japanisches Forscherteam hatte im vergangenen Jahr eine Methode vorgestellt, mit der sich funktionsfähige Spermienzellen im Labor züchten lassen. Die Wissenschaftler hatten Mäusen dazu Hodengewebe entnommen und die darin enthaltenen frühen Entwicklungsstadien von Spermien zur Reifung angeregt. Mit den Spermien befruchteten sie dann Eizellen, aus denen schließlich mehrere Mäusebabys hervorgingen.