Forschungsmuseum zieht um: Digitalisierung vieler Stücke

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23. Juli 2019 - 15:50 Uhr

Ein Museum packt ein: Für den Umzug des archäologischen Forschungsmuseum RGZM in Mainz werden 220.000 Funde einzeln angefasst und für den im kommenden Jahr bezugsfertigen Neubau vorbereitet. "Wir verpacken nicht nur Objekte für den Umzug, sondern nutzen die Chance für eine Generalinventur und für eine komplette Digitalisierung der Sammlung", sagte Direktorin Alexandra Busch am Dienstag zum Auftakt einer mehrtägigen Sommerreise des rheinland-pfälzischen Wissenschaftsministers Konrad Wolf (SPD).

Die seit 2017 geschlossene Ausstellung im Kurfürstlichen Schloss wird künftig am neuen Sitz des Leibniz-Forschungsinstituts präsentiert. Die Sammlung archäologischer Funde soll dann auch im Internet zugänglich gemacht werden - ganz im Sinne von Initiativen, die unter dem Motto "Open Access" für einen ungehinderten Zugang zu allen Ergebnissen wissenschaftlicher Forschung eintreten.

Zurzeit werden die ehemaligen Ausstellungsräume für die Vorbereitung des Umzugs genutzt. In einer aufwendigen Prozesskette mit mehreren Stationen werden insgesamt 220.000 Objekte gereinigt, in detektivischer Arbeit mit alten Inventarbüchern oder Skizzen aus dem Gründungsjahr 1852 verglichen, fotografisch dokumentiert und individuell verpackt. Dafür wurden Pakete in 60 unterschiedlichen Größen und Formen bestellt. Damit die Objekte beim Transport gesichert sind, werden sie bei Bedarf in den Kisten befestigt, etwa Münzen in eigens dafür gefertigten Kunststoffkissen.

Es gebe bereits Anfragen anderer Häuser nach Erfahrungen mit dieser Prozesskette, sagte Busch. Für diese Arbeit habe das RGZM fünf weitere Restauratoren eingestellt. Jedes Objekt werde mit einem Barcode versehen. "Wie bei einem Logistikunternehmen hilft uns das, die Bestände zu verwalten." Die Objekte der Sammlung seien kein Selbstzweck, sagte die Direktorin. Als Quellen der Forschung machten sie es möglich, das Wissen zu vertiefen, wie Menschen in einer vergangenen Zeit miteinander umgegangen seien, auf welchen Wegen sich Gesellschaft bis heute verändert habe.

Ein Forschungsmuseum könne besonders gut den Prozess wissenschaftlicher Arbeit darstellen, sagte Wolf. "Das ist auch ein hochpolitisches Thema." In der politischen Diskussion müsse immer bewusst bleiben, dass wissenschaftliche Erkenntnis eben nicht Meinung sei, sondern Erkenntnisgewinn und damit Grundlage für politische Gestaltung.

Quelle: DPA