4. Juli 2017 - 18:02 Uhr

Terrorismusexperte Ortmann fasst Forschungsergebnisse zusammen

Die Gefahr für Terroranschläge ist in Deutschland nach wie vor auf hohem Niveau. Das hat der Verfassungsschutzbericht, der in Berlin vorgestellt wurde, deutlich gemacht. Obwohl die Ausreisen nach Syrien oder in den Irak nicht mehr zunehmen, steigt die Zahl der Salafisten und Gefährder in Deutschland aber weiter an. Die Frage, die sich nicht zuletzt deshalb viele stellen: Wie lassen sich Anschläge dennoch verhindern? An der Universität in Bremen geht man seit Längerem einem ganz neuen Ansatz nach.

Stresshormone spielen kurz vor dem Anschlag verrückt

Anschlagversuch2
Prof. Dr. Dietmar Heubrock und seine Kollegen von der Uni Bremen untersuchen das Verhalten von Terroristen.

Im Mittelpunkt der Forschung steht die Frage, wie sich Attentäter vor einem Anschlag verhalten und ob es Auffälligkeiten gibt. Außerdem wird erforscht, ob ein Computerprogramm diese Auffälligkeiten rechtzeitig entdecken könnte. RTL-Terrorismusexperte Michael Ortmann hat sich die Arbeit der Experten einmal genauer angeschaut.

So hat Prof. Dr. Dietmar Heubrock Szenen vor Anschlägen anaylsiert und das Verhalten von Attentätern getestet. Er ist sich sicher: man kann Terroristen vor einem Anschlag erkennen. Die Ermordung des russischen Botschafters in Ankara sei ein gutes Beispiel: Der 22-jährige Attentäter ist nervös, er fasst sich immer wieder an sein Jackett, er spielt mit seinen Händen, greift in seine Tasche, holt aber nichts heraus. Er fasst sich mehrmals an die Nase. Dann erschießt er den russischen Botschafter Andrej Karlow. Ein Verhalten, das weltweit identisch ist.

Vor allem in den letzten 20 Minuten vor einem Anschlag würden die Stresshormone verrücktspielen. Zwar kenne jeder von uns nervöse Verhaltensweisen. Dennoch gibt es einen Unterschied: die Häufigkeit.

Nächster Schritt: Bewegungsabläufe digital erfassen

Als nächstes sollen die Bewegungsabläufe digital erfasst werden, um automatisch einen Alarm auszulösen. Doch bis das System den nervösen Mitmenschen vom nervösen Terroristen unterscheiden kann, wird es noch dauern. Dennoch: der erste Schritt der Analyse ist getan.