Forscher: Job-Boom 2012 zu Ende

Radikaler Absturz: Nach dem Rekordtief der Arbeitslosenzahlen folgt nun angeblich das Ende des Job-Booms
© dpa, Bernd Wüstneck

30. September 2011 - 23:05 Uhr

Vom Rekordtief zum Ende des Job-Booms

Gerade noch war die Rede vom neuen Rekordtief der Arbeitslosenzahlen, als die Zahl der Arbeitslosen erstmals seit fast 20 Jahren unter die Marke von 2,8 Millionen rutschte. Doch nun warnen Arbeitsmarktforscher davor, dass der Job-Boom bereits im nächsten Jahr sein jähes Ende findet.

Im kommenden Jahr werde die Zahl der Arbeitslosen im Schnitt nur noch um 50.000 zurückgehen. Ein herber Verlust im Vergleich zu diesem Jahr, in dem die Zahlen bei durchschnittlich 250.000 Menschen lagen - das zumindest ist die Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Hinzu könnte außerdem kommen, dass bei einem leicht schrumpfenden Wirtschaftswachstum die Zahl der Erwerbslosen im kommenden Jahr sogar um 20.000 steigen könnte, betonte das IAB in seiner Herbstprognose.

Forscher: Erneute Konjunkturkrise kaum überwindbar

Wie stabil der Arbeitsmarkt bleibe, hänge letztlich davon ab, ob die Regierungen die europäische Schuldenkrise in den Griff bekommen und sich die Finanzmärkte beruhigen ließen, betonten die Arbeitsmarktforscher. Derzeit zeigten wichtige Indikatoren, wie etwa der ifo-Geschäftsklimaindex, "dass die Wirtschaftsakteure wenig Vertrauen in die Stabilität der künftigen Entwicklungen haben". In der Vergangenheit sei auf einen derart rapiden Fall der Indikatoren regelmäßig eine Rezession gefolgt, erinnert das IAB.

Zudem gehen die Forscher davon aus, dass der deutsche Arbeitsmarkt eine erneute Konjunkturkrise nicht so wegstecken würde wie die Finanzkrise der Jahre 2008/2009. Zum einen seien die im Zuge der Hartz-Reformen erschlossenen Verbesserungspotenziale weitgehend ausgeschöpft. Zum anderen fehlten der Bundesagentur die finanziellen Rücklagen, um im selben Umfang wie in den Jahren 2008 und 2009 die Konjunkturkrise mit massiven Kurzarbeiterprogrammen zu überbrücken.

Es sei nicht davon auszugehen, dass die von einer möglichen Rezession betroffenen Unternehmen in ähnlichem Umfang wie in der Krise 2008/2009 ihre nicht mehr benötigten Kräfte weiter beschäftigen. Entlassungen würden aber unweigerlich zu höherer Arbeitslosigkeit führen. Dies wiederum würde die Bundesagentur zu einem verstärkten Angebot an Aus- und Fortbildungen von Arbeitslosen zwingen. Eben diese kürzt allerdings mit Hinweis auf die niedrigen Arbeitslosenzahlen derzeit massiv die Mittel für Arbeitsmarktprogramme.