Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

Forscher erwarten 2,5 Millionen Kurzarbeiter und drei Millionen Arbeitslose

IAB - Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.
© dpa, Daniel Karmann, dka fpt fgj wst

24. April 2020 - 15:34 Uhr

Der harte Kampf der deutschen Wirtschaft

Ein Einbruch der Wirtschaftsleistung, deutlich mehr Arbeitslose und Millionen Kurzarbeiter: Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) malt ein düsteres Bild von dem, was die Corona-Krise in Deutschlands Wirtschaft anrichtet.

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Kurzarbeiter, Arbeitslose und Einbruch der Wirtschaftsleistung

Die Corona-Krise stellt die deutsche Wirtschaft vor die schwerste Prüfung seit dem Zweiten Weltkrieg: Das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erwartet

  • im Jahresschnitt 2,5 Millionen Kurzarbeiter
  • einen Einbruch der deutschen Wirtschaftsleistung im Jahr 2020 um 8,4 Prozent
  • in der Spitze drei Millionen Arbeitslose.

"Die deutsche Wirtschaft stürzt in die schwerste Rezession der Nachkriegsgeschichte", heißt es in dem Bericht des Forschungsinstituts der Bundesagentur für Arbeit.

"Die Werte fallen deutlich drastischer aus als in den Frühjahrsprognosen"

Zum Vergleich: Der bisherige Spitzenwert bei der Kurzarbeit in Deutschland lag im Mai 2009 bei 1,44 Millionen Personen - was einen deutlich geringeren Jahresdurchschnitt für 2009 ergab. In der Spitze könnte die Zahl der Kurzarbeiter Schätzungen anderer Institute zufolge auf mehrere Millionen Menschen steigen. Erste Zahlen will die Bundesagentur für Arbeit am 30. April bekanntgeben. Eine Befragung der Hans-Böckler-Stiftung hatte für die erste Aprilhälfte vier Millionen Kurzarbeiter in Deutschland ermittelt.

Das IAB sagt: "Die Werte fallen deutlich drastischer aus als in den Frühjahrsprognosen vom März dieses Jahres, als etliche Informationen, etwa zum Fortgang der Eindämmungsmaßnahmen, zum Produktionsstopp in der Automobilindustrie, zur Aussetzung der Vermögensprüfung in der Grundsicherung und zu vielen internationalen Entwicklungen, noch nicht verfügbar waren".

Geschäftsklimaindex ist so niedrig wie nie

Die Corona-Krise drückt auch die Stimmung in den deutschen Chefetagen auf ein historisches Tief. Der Geschäftsklimaindex für April fiel auf 74,3 Punkte. Im März waren es noch 85,9 Punkte. Dies ist der niedrigste jemals gemessene Wert.

"Die Stimmung unter den deutschen Unternehmen ist katastrophal", sagt Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die befragten Manager schätzten ihre Lage schlechter ein und blicken auch skeptischer in die Zukunft.

Jede fünfte Firma plant Stellenabbau

Fast ein Fünftel der deutschen Unternehmen plant laut ifo-Institut wegen der Coronavirus-Krise einen Stellenabbau. 18 Prozent der Firmen wollten Mitarbeiter entlassen oder befristete Verträge nicht verlängern, teilte das Institut unter Berufung auf seine April-Umfrage mit.

Einen Stellenabbau planen laut der ifo-Umfrage zufolge
  • in der Industrie 20 Prozent
  • bei den Dienstleistern 20 Prozent
  • im Handel 15 Prozent
  • auf dem Bau zwei Prozent.
Fast 50 Prozent der Firmen würden Kurzarbeit fahren:
  • im Handel bei 55 Prozent der Unternehmen
  • in der Industrie bei 53 Prozent
  • bei Dienstleistern bei 48 Prozent
  • auf dem Bau bei 37 Prozent.​

Im Video: Hubertus Heil zum Kurzarbeitergeld

Die Prognosen des IAB

Diese Prognosen waren noch davon ausgegangen, dass der Wirtschaftseinbruch kürzer und weniger heftig ausfallen würde. "Die Wirtschaft gerät durch den Shutdown, den Einbruch der Weltkonjunktur und die hohe Unsicherheit unter enormen Druck", sagte IAB-Volkswirt Enzo Weber, Mitautor des Berichtes.

Das Szenario des IAB geht davon aus, dass die Wirtschaft bis Jahresende wieder weitgehend hochfährt. Es sei jetzt aber auch nicht mehr auszuschließen, dass sich die derzeitige Rezession zu einer globalen, systemischen Krise auswachsen könnte. Dabei würden immense und langanhaltende Schäden in der Real- und Finanzwirtschaft entstehen.

"Die Zahl der Arbeitslosen wird auf Basis der Vorausschau in den nächsten Monaten auf über drei Millionen steigen", heißt es in dem Bericht. "Im Zuge der angenommenen Normalisierung der Wirtschaftstätigkeit macht sie im Verlauf der zweiten Jahreshälfte wieder gut die Hälfte des vorherigen Anstiegs wett." 

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Das Corona-Virus hält Deutschland und den Rest der Welt weiter in Atem. Nach dem erfolgreichen ersten Teil der Doku "Stunde Null"  gleichen die Autoren in der zweiten TVNOW-Doku "Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus" die verschiedenen Maßnahmen einzelner Länder rund um den Globus mit den aktuellen Empfehlungen von Forschern ab.