Forscher entwickeln "revolutionäres" Medikament: Durchbruch gegen multiresistente Erreger?

© dpa, Remko De Waal

6. November 2014 - 17:27 Uhr

Erfolgreiche Behandlung von MRSA

Multiresistente Keime machen vielen Menschen Angst. Jährlich kommt es in deutschen Krankenhäusern zu tausenden Infektionen. Jetzt könnte es einen Durchbruch in der Behandlung der gefährlichen Keime gegeben haben: Wissenschaftler berichten in britischen Medien vom durchschlagenden Erfolg ihres neuen Medikaments gegen den Erreger Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA).

Die neue Behandlungsmethode greife die Erreger auf eine völlig andere Art und Weise an, als herkömmliche Medikamente, schreibt der 'Telegraph'. Der Wirkstoff nutze natürlich vorkommende Viren, die Bakterien mit Enzymen angreifen, sogenannten Endolysinen. So würden nur die gefährlichen MRSA-Keime gezielt angegriffen, während für den Körper nützliche Bakterien unbeeinträchtigt blieben. Endolysine seien außerdem weniger anfällig für Resistenzen als Antibiotika. Die Wissenschaftler hielten es daher für unwahrscheinlich, dass die Erreger gegen die neue Behandlungsmethode resistent werden könnten, schreibt das Blatt.

"Die Resultate zeigen, das Potential dieser Technologie, die Behandlung von Bakterien-Infektionen zu revolutionieren", sagt Mikrobiologe Dr. Bjorn Herpers. Er ist Mitarbeiter von Micreos, einem niederländischen Biotechnik-Konzern, der hinter der Initiative steckt. Das neue Medikament sei bereits als Creme für Hautinfektionen auf dem Markt. Die Forscher hoffen dem Bericht zufolge den Wirkstoff innerhalb von fünf Jahren auch in Tablettenform und als Injektion auf den Markt zu bringen.

Bis zu 600.000 Infektionen jährlich

Wie kommt es, dass Antibiotika ihre Wirkung gegen Bakterien verlieren? Die Erreger schützen sich vor den für sie giftigen Substanzen in Medikamenten, indem sie Resistenzen entwickeln. Durch zu häufigen Antibiotikaeinsatz verschärft sich dieses Problem. Sogenannte Breitbandantibiotika verschreiben Ärzte häufig, wenn sie nicht genau wissen, welcher Erreger für die Erkrankung des Patienten verantwortlich ist. Das scheint resistente Keime zu begünstigen. Zudem ist ein Teil der Resistenzproblematik auf den hohen Einsatz von Antibiotika bei Nutztieren - und damit in Lebensmitteln - zurückzuführen.

In deutschen Krankenhäusern infizieren sich laut Bundesgesundheitsministerium im Jahr zwischen 400.000 und 600.000 Menschen mit multiresistenten Erregern. Insbesondere für immunschwache Patienten und Frühchen stellen die Keime eine Gefahr dar. 7.500 bis 15.000 Patienten sterben jährlich daran. Sollten sich die Erwartungen an das neue Medikament erfüllen, könnte sich diese Zahl wohl bald verringern.