Schmerzmittel aus Spinnengift?

Forscher entdecken: Gift dieser Riesentarantel soll bei Reizdarm helfen

Spinnengift als Schmerzmittel beim Reizdarmsyndrom? Das scheint eine vielversprechende Behandlungsmöglichkeit zu sein!
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24. September 2020 - 17:05 Uhr

Chronische Bauchschmerzen sind schwer zu behandeln

Wer am Reizdarmsyndrom leidet, hat regelmäßig mit schlimmen Bauchschmerzen zu kämpfen, für die es kaum eine effektive Behandlung gibt – denn Schmerzmittel reizen den Magen oft noch zusätzlich und kommen mit weiteren unangenehmen Nebenwirkungen einher. Doch nun wollen Forscher einen vielversprechenden – wenn auch etwas furchteinflößenden – Ansatz entdeckt haben, um den Reizdarm zu therapieren: das Gift einer riesigen Vogelspinne!

Gift der Venezuela-Riesenvogelspinne am vielversprechendsten

Die Wissenschaftler des Institute for Molecular Bioscience (IBM) an der University of Queensland in Australien haben das Gift von 28 Spinnenarten untersucht, in der Hoffnung, dass Moleküle im Gift der Tiere bei chronischen Magen-Darm-Schmerzen helfen können. Am vielversprechendsten stellte sich in ihren Untersuchungen das Gift der Venezuela-Riesenvogelspinne heraus – eine Tarantel mit bis zu 30 Zentimeter Spannbreite.

"Alle Schmerzen sind komplex, aber Bauchschmerzen sind besonders herausfordernd zu behandeln", so Professor Richard Lewis vom IBM. "Dabei betreffen sie rund 20 Prozent der Weltbevölkerung." Gängige Schmerzmittel würden es bei vielen Patienten nicht schaffen, für effektive Linderung zu sorgen, bevor sie wegen der Nebenwirkungen abgesetzt werden müssten, so der Molekularbiologe.

Wie kann das Spinnengift helfen?

"Innere Organe haben ein komplexes Netzwerk an Nervensensoren, die über viele spannungsgesteuerte Ionenkanäle und Rezeptoren verfügen, um auf Signale zu reagieren", erklärt Professor Stuart Brierley von der Flinders University, der ebenfalls an der Studie beteiligt war. Beim Reizdarmsyndrom sind diese Nerven so empfindlich, dass schon kleine Veränderungen in der Zellmembran zu Schmerzen führen. Das Spinnengift enthält hunderte Mini-Proteine, die die Ionenkanäle daran hindern können, sich zu öffnen.

"Wir haben inzwischen ein starkes Verständnis von der Struktur und Funktion dieser Spinnengifte", erklärt Professor Lewis. Einige von ihnen könnten Schmerzen gezielt und effektiv behandeln. Die Ergebnisse basieren auf 15 Jahren Forschung zu dem medizinischen Potenzial von Giften und wurden nun im Magazin "Pain" veröffentlicht.