Forscher beweisen: Reiche haben keine Moral

28. Februar 2012 - 19:45 Uhr

Reiche lügen und mogeln am meisten

Autofahrer von 'dicken Karren' machen, was sie wollen, heißt es gerne mal im Volksmund. Eine Studie beweist nun: Das Vorurteil ist wirklich wahr. Reiche Menschen in teuren Autos verletzten die Verkehrsregeln eher als andere. Und es kommt noch dicker: Leute aus der Oberschicht lügen und mogeln ohne die Wimper zu zucken. Wissenschaftler sehen den Grund darin, dass reichere Leute einfach eine positivere Einstellung zur Gier haben. Sie finden nichts dabei, sich zu nehmen, was sie haben wollen.

Die Durchsetzung eigner Interessen sei ein bedeutendes Motiv in der Elite der Gesellschaft, und die vermehrten Wünsche, die mit größerem Reichtum und Status einhergehen, könnten Fehlverhalten begünstigen, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt 'PNAS'. Ausgangspunkt für die Analyse der Forscher um Paul Piff von der University of California war eine ganz einfache Frage: Welche soziale Klasse verhält sich eher unmoralisch - die Oberschicht oder die Unterschicht?

Sie testeten das zunächst im Straßenverkehr. An einer vielbefahrenen Kreuzung, an der die Vorfahrt mit Stopp-Schildern geregelt ist, beobachteten sie, ob und welche Autos anderen die Vorfahrt nahmen. Die Wissenschaftler notierten Marke und Zustand des Wagens und beurteilten Geschlecht und ungefähres Alter des Fahrers. Es zeigte sich, dass die Fahrer von Oberklassewagen häufiger die Verkehrsregeln missachteten und andere schnitten.

Reiche essen Kindern die Bonbons weg

Bei einem weiteren Experiment ließen die Forscher zum Beispiel Studenten am Computer einige Aufgaben bearbeiten. Unter anderem sollten sie ihre soziale und wirtschaftliche Position auf einer zehnstufigen Leiter selbst einschätzen und mit dem US-Durchschnitt vergleichen. So wollten die Wissenschaftler die Probanden dazu bringen, sich ökonomisch betrachtet besser oder schlechter zu fühlen als andere Menschen und damit verbunden, eine entsprechende Geisteshaltung einzunehmen.

In einer vermeintlichen Pause kamen die Wissenschaftler mit einem Glas Bonbons zu den Versuchsteilnehmern. Sie sagten, diese seien eigentlich für eine Gruppe Kinder im Nebenraum, aber die Teilnehmer könnten ruhig zugreifen, wenn sie wollten. Dann verschwanden sie für einige Minuten, bevor sie die Probanden zum angeblichen zweiten Versuchsteil baten. Es zeigte sich, dass diejenigen Probanden, die nach eigenem Bekunden einer höheren Schicht angehörten, mehr Bonbons genommen hatten als solche einer unteren Schicht.

Weitere Experimente ergaben, dass die reicheren Versuchsteilnehmer auch eher logen oder schummelten, wenn es zum Beispiel darum ging, in einem Spiel Geld zu gewinnen. Jeder habe vermutlich in seinem Leben schon einmal Gier verspürt, schreiben die Forscher in ihrem Aufsatz. Aber dieses Gefühl sei nicht gleichmäßig über alle sozialen Schichten verteilt.