Überraschende Erkenntnisse von Hamburger Forschern

Coronavirus befällt auch das Herz

Ein Beatmungsgerät steht in einem Behandlungszimmer des UKE. Foto: Axel Heimken/dpa/Pool/dpa/Archivbild
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13. Juli 2020 - 10:54 Uhr

Neue Studie zu Corona-Ausbreitung im Körper

Ein Forscherteam des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) fand in einer neuen Studie heraus, dass das Coronavirus auch das Herz befällt. Bisher war bereits bekannt, dass sich das Virus auch im Gehirn nachzuweisen ist, obwohl zunächst nur bekannt war, dass es die Lungenkrankheit Covid-19 auslöst. Wir erklären, was die neuen Erkenntnisse bedeuten.

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39 Infizierte nach ihrem Tod untersucht

"Bisher wusste man nicht, in wie vielen Fällen SARS-CoV-2 auch das Herz befällt und – wenn es das tut – ob es sich in Herzzellen vermehren und dort krankhafte Veränderungen hervorrufen kann. Mit den nun vorliegenden Untersuchungsergebnissen haben wir deutlich mehr Klarheit", sagt Studienleiter Prof. Westermann aus dem Universitären Herz-und Gefäßzentrum Hamburg des UKE. Die neuen Erkenntnisse gewann das Forscherteam des Hamburger Uniklinikums Eppendorf indem sie 39 verstorbene Herzpatienten untersuchten, die mit dem Coronavirus infiziert waren.

In ihrer neuen Studie konnten die Forscher heraus, das Virus bei 24 der insgesamt 39 untersuchten Patienten und Patientinnen auch im Herzen nachweisen. In 16 Fällen war die Menge des nachgewiesenen Coronavirus so groß, dass es klinische Auswirkungen gehabt haben können.

Was bedeutet das für den Krankheitsverlauf von Corona-Infizierten?

Durch die Infektion verändern sich zwar die Herzzellen. Ob dies allerdings Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf hat, lässt sich noch nicht abschließend klären, heißt es in einer Pressemitteilung der Uniklinik.

Das Wissenschaftlerteam hatte die Aktivität von sechs entzündungsfördernden Genen genauer unter die Lupe genommen. Bei den 16 Patienten mit der höchsten Viruslast war die Aktivität dieser Gene allerdings deutlich erhöht.

"Dies hätte auf das Vorliegen einer Herzmuskelentzündung schließen lassen können. Gleichwohl haben wir keine typischen Kennzeichen einer solchen Entzündung, etwa das Einwandern von Entzündungszellen aus dem umliegenden Gewebe in den Herzmuskel, finden können. Unsere Ergebnisse unterstützen die bisherige Beobachtung, dass eine Herzmuskelentzündung im Zusammenhang mit Covid nur sehr selten auftritt", erklärt Prof. Westermann.

Die durch die Corona-Infektionen hervorgerufenen Veränderungen an der Genaktivität in den Herzzellen könne allerdings Langzeitfolgen für die Gesundheit von Infizierten haben. Dies ließe sich allerdings nur durch weitere Untersuchungen an noch lebenden Infizierten bestätigen. Die für die Studie untersuchten verstorbenen 23 Frauen und 16 Männer waren im Mittel 85 Jahre alt. Alle wurden zu Lebzeiten mit einem Rachenabstrich positiv auf das Coronavirus getestet und entwickelten die für Covid-19 typische Lungenentzündung.

Welche Menschen zur Risikogruppe gehören können Sie hier nachlesen. 

Forschung schreitet weiter voran

Auch wenn uns die Corona-Pandemie nun schon rund ein halbes Jahr begleitet, weiß die Forschung noch immer relativ wenig über die Ausbreitung und die Entwicklung des Virus, sobald es auf den menschlichen Körper trifft.

Auch die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs schreitet voran. Das Tübinger Unternehmen CureVac testet seinen Wirkstoff bereits an Menschen. Wir haben mit einem der Probanden gesprochen – hier erzählt er, wie er den hoffnungstragenden Wirkstoff bisher verträgt. 

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