Formel-1-Wunder in Barcelona: Max Verstappen ist jüngster Sieger aller Zeiten

18. Mai 2016 - 16:22 Uhr

Formel-1-Sensation in Barcelona: Max Verstappen hat den Großen Preis von Spanien gewonnen und ist mit 18 Jahren und 227 Tagen der jüngste Sieger in der Geschichte der Königsklasse. Dabei war Verstappen erst vor wenigen Tagen in einer umstrittenen Aktion vom Toro-Rosso- ins Red-Bull-Cockpit befördert worden. "Jaaa", jubelte Verstappen im Boxenfunk. "Max Verstappen, du bist ein Rennsieger. Was für ein Debüt. Was für ein Debüt", gab Teamchef Christian Horner per Funk zurück.

Formel-1-Wunder in Barcelona: Max Verstappen ist jüngster Sieger aller Zeiten
© REUTERS, ALBERT GEA

Der Holländer profitierte auf dem Circuit de Catalunya vom frühen Aus der beiden Silberpfeil-Piloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg, die sich in Runde 1 gegenseitig abschossen. Hauchdünn hinter Verstappen überquerte Kimi Räikkönen die Ziellinie. Der Ferrari-Pilot hatte zuvor rundenlang vergeblich auf einen Fehler des Youngsters gehofft. Sebastian Vettel komplettierte das Treppchen, wird nach dem verlorenen Teamduell aber nicht wirklich zufrieden sein.

Daniel Ricciardo (Red Bull), Valtteri Bottas (Williams), Carlos Sainz (Toro Rosso), Sergio Perez (Force India) und Felipe Massa (Williams) folgten auf den Plätzen. Pascal Wehrlein wurde im Manor 16. und Vorletzter, Nico Hülkenberg schied mit einem Motorschaden an seinem Force India aus.

So lief das Rennen

Start: Was für ein Auftakt von Rosberg! Der WM-Leader verliert zwar das Duell an der Ampel, beißt sich aber auf der Geraden im Windschatten von Polesetter Hamilton fest und kocht den Weltmeister in Kurve 1 lässig ab. Auch Vettel kommt hervorragend weg, darf sich aber nur kurz über Platz 4 freuen, dem ihm der freche Red-Bull-Youngster Verstappen schnell wieder abluchst.

1. Runde: Hamilton fährt nach der verlorenen Spitze mit dem viel beschworenen Messer zwischen den Zähnen und will Rosberg außen auf dem Gras überholen. Der Deutsche hat aber aus seinen Fehlern der letzten Jahre gelernt, zieht nicht artig zurück und macht die Tür zu. Da natürlich auch ein Hamilton nicht einfach so vom Gas geht, tritt der große 'Silber-Clash' ein: Hamilton kommt aufs Gras, dreht sich auf die Strecke zurück und schießt sich und seinen Teamkollegen ins Aus. Während RTL-Experte Christian Danner die Schuld "klassisch bei 50 zu 50" sieht, zürnt Mercedes-Boss Niki Lauda über eine "vollkommen sinnlose" Aktion von Hamilton. Das Safety-Car kommt raus.

Kein gutes Wochenende aus schwäbischer Sicht: Drei Abstiege im Fußball und dann noch das Mercedes-Debakel. 'Heide noi, des darf doch et wohr sei.'

4. Runde: Ricciardo gewinnt den Re-Start vor Verstappen und einem weiteren Bullen, Carlos Sainz im Toro Rosso. Erst dahinter folgt Vettel.

8. Runde: Vettel legt sich Sainz nach allen Regeln der Kunst zurecht und zieht auf der Geraden innen vorbei. Zwei Umläufe später kommt auch Räikkönen am jungen Spanier vorbei. Die rote Jagd auf die Bullen beginnt also doppelt.

12. Runde: Ricciardo läutet die erste Boxenstopp-Phasen der Führenden ein, die bis in Runde 16 dauert. Es bleibt alles in Reihe. Vettel hängt nur knapp hinter Verstappen.

22. Runde: Motorschaden bei Hülkenberg! Der Force-India rollt qualmend aus. Der 'Hulk' greift höchstpersönlich zum Feuerlöscher. "Es war ein Ölleck, dann hat der Wagen Feuer gefangen", so der Deutsche. "Es läuft nicht…"

Nach einer ersten Krisensitzung im Mercedes-Motorhome tritt Teamchef Toto Wolff vor die Kameras. "Meine erste Analyse: Man kann nicht einem ausschließlich die Schuld zuschieben", sagt Wolff ins RTL-Mikro und klagt: "Ganz schwer für das Team. Wir haben 43 Punkte verloren."

Runde 29-44: Jetzt sehen wir das typische Bild eines Spanien-GP. Da Überholen auf dem Circuit de Catalunya quasi ein Ding der Unmöglichkeit ist, eröffnen die Teams den Reifenpoker. Während Vettel und Ricciardo auf eine 3-Stopp-Strategie setzen und der Deutsche sich an der Box am Australier vorbeischiebt, versuchen Verstappen und Räikkönen, mit 2 Stopps durchzukommen. "Die spielen Schach mit Autos", urteilt Danner. Verstappen führt das Rennen an. Sollte der 18-Jährige gleich in seinem ersten Rennen für Red Bull gewinnen können?

47. Runde: Lokalmatador Alonso meldet "null Power" an seinem McLaren und parkt auf dem Grünstreifen.

59. Runde Ricciardo hängt eigentlich zu weit hinter Vettel, doch der Deutsche ist nicht auf Kampflinie und kurz unaufmerksam. Ricciardo zieht innen rein und kommt durch ein spätes Bremsmanöver vorbei. Vettel zieht erst zurück, um einen Crash zu vermeiden, schnappt sich den Red-Bull-Piloten aber dann wieder. "Fahren wir hier Rennen oder spielen wir Pingpong?", schimpft Vettel im Funk.

66. Runde: Räikkönen hängt an der Spitze Verstappen im Auspuff. Doch der Holländer macht! einfach! keinen! Fehler! Unterdessen fängt sich Ricciardo einen Plattfuß ein und verliert damit endgültig das Duell um Platz 3.

Ziel: Unfassbar! Verstappen gewinnt den Großen Preis von Spanien. "Das ist ein Jahrhunderttalent", staunt Lauda: "So etwas habe ich noch nie erlebt."