FIA plant neue Motorenregel

Lewis Hamilton: "Sie wollen uns einbremsen"

F1 Grand Prix of Spain - Previews
© 2020 Pool, Bongarts, JB1 / AJB

14. August 2020 - 12:53 Uhr

FIA-Verbot: Ab Belgien-GP keine Zusatz-Power mehr

Die Regelhüter vom Motorsport-Weltverband FIA bringen die Mercedes-Bremse in Stellung: Schon ab dem Belgien-GP, dem übernächsten Rennen, sollen spezielle Motoreinstellungen etwa für das Qualifying oder Überholmanöver im Rennen verboten werden. Gefahren werden darf dann nur noch mit einem einheitlichen Betriebsmodus. Das teilte die FIA den Teams vor dem Spanien-GP (live ab 14 Uhr bei RTL und online im Stream auf TVNOW) in einem Brief mit, wie das Fachmagazin "auto motor sport" berichtet.

Vettel: "Für uns macht das keinen Unterschied"

Zwar nutzen alle Motorenhersteller verschiedene Motoreinstellungen für kurzfristige Leistungssteigerungen im Qualifying oder bestimmte Rennsituationen. Weil Mercedes jedoch nicht nur den stärksten Motor, sondern auch stärksten Qualifikations-Modus hat, wirkt sich die neue Regelung wohl vor allem auf das Weltmeisterteam um Lewis Hamilton aus.

So sieht das auch Ferrari-Pilot Sebastian Vettel. "Für uns macht es wohl keinen großen Unterschied", sagte der 33-Jährige mit Blick den Antrieb seines roten Renners. Wenn man aber wie Mercedes einen großen Vorteil durch den Motor habe, "dann sind das keine guten Nachrichten".

Kampfansage von Hamilton

"Sie wollen uns einbremsen", vermutet auch Titelverteidiger Hamilton und schickte eine Kampfansage hinterher: "Aber ich denke, dass es nicht zu diesem Ergebnis führen wird." Zwar holten die Mercedes "Schwarzpfeile" bislang überlegen alle fünf Pole-Positions in dieser Saison und gewannen vier der fünf WM-Läufe – ihre Dominanz ist aber nicht allein auf schiere PS-Power zurückzuführen. Auch aerodynamisch ist der W11 das Maß der Dinge in der Königsklasse.

Am ehesten dürften daher wohl die Mercedes-Kunden Racing Point und Williams den Leistungsverlust durch die geplante neue Technische Direktive zu spüren bekommen. Insbesondere für Racing Point sollte es schwieriger werden, aerodynamische Nachteile auszugleichen und wie bisher an der Spitze mitzumischen. Das dürfte vor allem Red Bull nützen – die zumindest im Qualifying regelmäßig von den "Pink Pantern" geärgert wurden.

Verstappen befürwortete Motoren-Einheitsmodus

Red-Bull-Pilot Max Verstappen jedenfalls befürwortet die geplante Regeländerung: "Wir dürfen das Auto nach der Qualifikation im Parc Fermé nicht anrühren. Nur am Motor dürfen Änderungen vorgenommen werden. Das sollte aus meiner Sicht entfallen", sagte der Sieger des  GP 70 Jahre F1 am vergangenen Wochenende in Silverstone.

Möglicherweise rückt das Feld durch die neue Regelung im Qualifying etwas näher zusammen, Hamilton und sein Teamkollege Valtteri Bottas dürften dennoch diejenigen bleiben, die es zu schlagen gilt. Bottas befürchtet gar, dass es weniger Action im Rennen geben wird: Ich denke, Überholen wird noch schwerer, weil man mit unterschiedlichen Einstellungen keinen Unterschied machen kann."

FIA plant weitere aerodynamische Einschränkungen

Die FIA begründet die neue Motorenregelung unter anderem mit der Hoffnung auf geringere Kosten durch geringeren Verschleiß. Zudem könnte auch die Einhaltung des Reglements bei einem einheitlichen Motorenmodus einfacher überwacht werden. In ihrem Brief informierte die FIA die Teams zudem darüber, dass sie weitere aerodynamische Einschränkungen für 2021 plant. Bekannt ist bislang nur, dass der Unterboden beschnitten werden soll.