War das wirklich nötig?

Teamorder pro Vettel: Ferrari opfert Leclerc

15. April 2019 - 11:57 Uhr

Leclerc sauer auf die Temleitung

Bei Ferrari hängt der Haussegen schief - und die ganze Welt hat's beim Großen Preis von China in Shanghai mitbekommen. Per Teamorder brachte die Scuderia Sebastian Vettel an Charles Leclerc vorbei auf Platz 3. Der war stinksauer und machte seinem Unmut über den Teamfunk Luft. Ferrari hat Gesprächsbedarf.

Ferrari-Teamorder: "Lass Sebastian vorbei"

Seit dem Start zum Jubiläums-GP hing Vettel hinter seinem Teamkollegen aus Monaco fest. Der viermalige Weltmeister fühlte sich schneller und durch Leclerc aufgehalten. Die Teamleitung der Scuderia wollte den Abstand zu den Silberpfeilen verkürzen. Und somit forderte der Kommandostand Leclerc auf, mehr Tempo zu machen, sonst müsse er Vettel überholen lassen.

In der 11. Runde bekam der Monegasse dann die unmissverständliche Anweisung: "Lass Sebastian vorbei, lass Sebastian vorbei." Leclerc gehorchte widerwillig, Vettel war Dritter.

Unrühmlicher Schlagabtausch über Funk

Aber entgegen der Erwartungen kam Vettel nicht an Bottas heran - und auch nicht weg von Leclerc. "Und was jetzt", raunzte Leclerc genervt und sauer über den Boxenfunk. "Ich verliere ziemlich viel Zeit." Vettel verbremste sich und wurde seinerseits angewiesen, mehr Druck zu machen. Da Ferrari seinen Boxenfunk freigab, durfte die ganze Welt teilhaben an diesem unrühmlichen Kapitel.

Leclerc fühlte sich als Opfer. Und dieser Eindruck wurde durch die Boxenstrategie der Scuderia untermauert. Als Red Bull in Runde 18 Max Verstappen an die Box holte und einen Undercut versuchte, reagierte Ferrari. Aber nicht Leclerc wurde an die Box geholt, sondern Vettel. Statt als den Team-Rookie gegen Verstappens Undercut zu schützen, wurde er geopfert - zu Vettels Gunsten. Der Monegasse fiel hinter Verstappen zurück auf Rang 5.

War die Stallorder nötig?

Vettel beendete das Rennen auf Platz 3. Leclerc wurde hinter Verstappen Fünfter. Die entscheidende Frage ist: War das wirklich nötig? Ferrari hatte sich vor dem Grand Prix nochmals positioniert und Vettel zur Nummer 1 deklariert. Man werde "in einer 50:50-Situation weiter Sebastian bevorzugen, weil er die meiste Erfahrung im Team und in der Formel 1 hat. Er ist für uns der Fahrer mit der größten Wahrscheinlichkeit auf eine gute Rolle im Titelkampf", sagte Teamchef Mattia Binotto vor dem Renn-Wochenende.

Auch Vettel zeigte sich im Vorfeld kämpferisch. Nach dem China-Grand-Prix sagte er: "Auf das ganze Rennen betrachtet war das fair, glaube ich." Diese These lässt sich durch Zahlen belegen. Nach unseren Berechnungen handelte Ferrari zwar zu Leclercs Nachteil, holte aus Teamsicht aber das Maximum heraus.

Hätte die Scuderia zuerst Leclerc zum Stopp geholt und dann erst Vettel, wären beide wohl hinter Verstappen auf die Ränge 4 und 5 zurückgefallen. So sprang wenigstens ein Podiumsplatz für Vettel heraus. Es könnte also sein, dass sich zumindest dieser Unruheherd bei Ferrari bald abkühlt.