Formel-1-Talent Esteban Ocon: Darum hat er für 2019 noch kein Cockpit

Esteban Ocon muss um ein Cockpit für die nächsten Saison bangen
Esteban Ocon muss um ein Cockpit für die nächsten Saison bangen
© REUTERS, Feline Lim, FW1F/Keith Weir

06. Oktober 2018 - 10:36 Uhr

Ocons Zukunft ungeklärt

Esteban Ocon ist ein erstaunliches Formel-1-Talent. Als "Superstar der Zukunft" wurde der Franzose schon bezeichnet. Dennoch muss Ocon um sein Cockpit für 2019 heftig bangen. Warum nur?

Ohne Millionen hat es Ocon schwer

Ohne Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff, erzählte Esteban Ocon einmal lachend, würde er wohl in irgendeinem Schnellimbiss Burger wenden. Die flapsige Bemerkung des Franzosen hatte aber einen ernsten Hintergrund. Ende 2014 wäre Ocons Karriere der Sprit ausgegangen, hätte ihm Wolff nicht geholfen. In die Formel 1 hat es der erst 22-Jährige längst geschafft, für Force India bzw. jetzt Racing Point sammelt er regelmäßig Punkte. Um seine Zukunft in der Königsklasse des Motorsports muss das PS-Talent dennoch ernsthaft bangen.

Ocon fehlt, was zum Beispiel sein bester Kumpel im Fahrerlager hat: eine millionenschwere Mitgift. Damit können weitaus weniger fähige Piloten wie Williams-Mann Lance Stroll im Verdrängungskampf um ein Cockpit für die kommende Saison für sich werben. Gespür für Kurven und Geschwindigkeit sind dann zweitrangig.

Für Wolff ist Ocon ein "Superstar der Zukunft"

Wolff sagte einmal, Ocon werde sich zu einem "Superstar der Zukunft" entwickeln. Dem Österreicher ist daran gelegen, dem Mercedes-Zögling die bestmöglichen Entwicklungschancen zu bieten. Und vor einigen Wochen wähnte sich Wolff auch am Ziel. McLaren und Renault waren in der Auswahl, Ocon für 2019 unter Vertrag zu nehmen. Renault entschied sich dann aber für Klassemann Daniel Ricciardo von Red Bull, McLaren sicherte sich die Dienste von Carlos Sainz.

Wolff klagte damals, dass "einige Menschen einfach nicht den Mumm" gehabt hätten, zu ihrem Wort zu stehen. Vor allem Renaults Schachzug trotz kolportierter Abmachung doch auf Ricciardo umzuschwenken, dürfte den Mercedes-Motorsportchef in Rage gebracht haben. Nicht "alle guten Jungs" würden ein Cockpit ergattern, konstatierte Wolff bitter, und meinte damit auch den "guten Jungen" Ocon.

Das Problem des Franzosen ist sein Mercedes-Stempel. Deshalb hat er auch keine Chance auf ein Cockpit bei Toro Rosso. "Wir suchen natürlich nur Fahrer aus, die keinerlei Verpflichtungen gegenüber anderen Teams haben - oder, um es krass auszudrücken: Wir bilden nicht für andere Teams junge Fahrer aus", machte Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko in Sotschi im RTL-Interview deutlich. Ocon sei sicher einer von den schnellen Jungen, "aber er müsste von allen vertraglichen Verpflchtungen befreit sein", so Marko. Das wird sicherlich nicht so kommen, denn Wolff hat schon mehrmals klargestellt, dass er Ocon definitiv nicht freistellen wird.

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© imago/Motorsport Images, Mark Sutton, imago sportfotodienst

Mercedes, das ist auch klar, kann dem Mann aus der Normandie noch kein Lenkrad bieten. Der wohl bald fünfmalige Weltmeister Lewis Hamilton ist ohnehin gesetzt, und Valtteri Bottas wird auch 2019 seine Helferdienste einbringen. Bei Racing Point bleiben wird Ocon nicht. Sein Teamkollege Sergio Perez hingegen wohl schon, weil er vom mexikanischen Telekommunikationsunternehmen Telmex schwer alimentiert wird.

Und dann ist da ja noch Ocons kanadischer Kumpel Stroll. Dessen Vater Lawrence hat eine Menge Geld mit Beteiligungen in der Modebranche gemacht und damit die PS-Karriere seines Sohnes bis in die Formel 1 beschleunigt. Mittlerweile ist Stroll senior mit einem Konsortium Anteilseigner bei Racing Point und dürfte seinem 19 Jahre alten Sohn so den Anschlussvertrag sichern.

Williams ist die einzige Option

Ocon nahm vor der Weiterreise zum Grand Prix von Japan Stroll junior vor scharfer Kritik in sozialen Medien sogar in Schutz. Dem Youngster wurde dort mit Schaum vor dem Mund vorgeworfen, daran schuld zu sein, dass Ocon seinen Platz verliere. "Ich habe das getan, weil Lance mein bester Kumpel im Fahrerlager ist und wir schon seit langer Zeit eine tolle Beziehung haben", erzählte Ocon in Sotschi. "Wir haben unterschiedliche Vorgeschichten, aber im Inneren haben wir die gleiche Motivation und Leidenschaft für den Sport."

Ocon führt jetzt Gespräche mit Strolls Williams-Team. Das sei vermutlich seine einzige Formel-1-Option für nächstes Jahr. Eine Saison vielleicht in einer anderen Rennserie zu überbrücken und dann in die Königsklasse des Motorsports zurückzukehren, kann er sich nicht vorstellen. "Ich habe das Gefühl, dass ich außerhalb der Formel 1 nichts dazulernen kann", meinte Ocon mit geradezu entwaffnender Direktheit. "Ich schaue nur auf die Formel 1, sie ist mein einziges Ziel und mein einziges Ziel ist es, eines Tages Weltmeister zu werden." Irgendwie ein guter Junge, dieser Esteban Ocon.

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