Nach schwerstem Jahr in der Formel 1

Sebastian Vettel: „Ich spüre Selbstzweifel“

Sebastian Vettel stand beim Großen Preis der Türkei erstmals in dieser Saison auf dem Podium.
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19. November 2020 - 7:29 Uhr

Liebe zu Ferrari erloschen

Kurz vor dem Ende seiner Zeit bei der Scuderia Ferrari blickt Sebastian Vettel zurück auf sein Werk bei den Roten – und auf eben jene Träume, die er sich gemeinsam mit dem Traditionsrennstall nicht erfüllen konnte. Dabei zeigt sich der Deutsche absolut selbstkritisch, spricht über das "ein wenig eingefrorene" Verhältnis zwischen sich und seinem Team und gesteht im Interview mit der "Zeit": "Ja, es ist nicht mehr die große Liebesbeziehung."

Vettel zur gescheiterten Ferrari-Mission: "Glaube, dass ich meinen Anteil daran habe"

"Wir als Team haben in den vergangenen Jahren extrem viel probiert, aber unter dem Strich sind wir, wenn man es ganz hart formuliert, gescheitert – weil wir eben nicht gewonnen haben", so Vettel – und nimmt sich bei all seiner Kritik nicht aus. Im Gegenteil: "Ich glaube, dass ich meinen Anteil daran hatte und habe."

Er wollte wie einst sein Vorbild Michael Schumacher mit den Roten einen Titel gewinnen. Am Ende gelangen ihm in sechs Jahren aber "nur" 14 Siege. Zu wenig für das, was sich Vettel vorgenommen hatte. Besonders die laufende Horror-Saison 2020 hat beim 33-Jährigen Spuren hinterlassen.

Vettel ist "noch nicht auf den grünen Zweig gekommen"

"Ich spüre auch Selbstzweifel, weil ich, sagen wir es ruhig, noch nicht auf den grünen Zweig gekommen bin", erklärt Vettel offen und ehrlich und findet schnell ein Rennen, bei dem er das ausmacht. "Da brauchen wir nicht weit zurück zu schauen, da können wir zum Nürburgring gehen; das Rennen war keine Glanzleistung, und das hat mich extrem geärgert."

Es ist kein Geheimnis: "Dieses Jahr ist schwierig für mich." Doch statt die Schuld dafür nur Ferrari zu geben, sucht Vettel nun die Fehler erst einmal bei sich "bevor ich mit dem Finger auf andere zeige". So will er auch bei Aston Martin 2021 weitermachen – und kann dort hoffentlich an das anknüpfen, was ihm mit dem dritten Platz in der Türkei gelang.

Fürs Aufhören ist es ihm auf jeden Fall noch zu früh. Wie lange wir ihn noch in der Königsklasse sehen werden, da wollte sich der Deutsche nicht festlegen, aber "alles so zwischen drei und sieben Jahren könnte realistisch sein."