RTL-Experte über Sexismus-Eklat

Zukünftiger Mick-Teamkollege Mazepin wird zum Problem für Haas

Nikita Mazepin
Nikita Mazepin
© Getty Images, Bongarts, JB1 / WTM

12. Dezember 2020 - 12:23 Uhr

RTL-Experte Görner: "Beim zweiten Vorfall wird Haas die Reißleine ziehen"

Nikita Mazepin ist der Bad Boy der Motorsportwelt: Der zukünftige Teamkollege von Mick Schumacher hat sich mit einem inzwischen gelöschten Instagramvideo einen Sexismus-Skandal eingehandelt. Nicht zum ersten Mal steht der Milliardärssohn in der Zentrum von Kritik. RTL-Experte Felix Görner erkennt bei dem russischen Nachwuchspiloten fehlende Reife und fehlendes Verantwortungsbewusstsein, was vor allem für seinen neuen Rennstall Haas zum Problem werden könnte.

Reicher Sohn, wenig Manieren

Es ist ein relativ kurzes Video mit großen Folgen. Neu-F1-Pilot Mazepin sitzt in einem Porsche und fährt auf dem Beifahrersitz durch die Nacht. Plötzlich dreht er sich nach hinten und grapscht einer Frau auf der Rückbank an die Brüste, diese wehrt sich und zeigt den Mittelfinger. Anschließend landen die Aufnahmen im Netz.

Es folgten ein angeblich reumütige Entschuldigung des Russen und ein Statement von Haas. Der US-Rennstall, bei dem Mazepin ab 2021 zusammen mit Schumi jr in der Formel 1 fährt, reagierte deutlich. "Haas duldet das Verhalten Nikita Mazepins in dem kürzlich geposteten Video nicht", hieß es in einer Mitteilung: "Allein die Tatsache, dass dieses Video veröffentlicht wurde, empfinden wir als abscheulich." Man werde die Angelegenheit nun "intern" klären und sich vorerst nicht weiter äußern.

"Dumm und töricht"

Ob es dabei bleiben wird? Viele F1-Fans liefen unterdessen Sturm und forderten sogar per Petition, dass ihm das feststehende Cockpit in der Königsklasse verweigert werde.

F1-Experte Görner sieht bei Mazepin ein grundlegendes Problem. "Die Aktion zeigt, dass er nur wenig Verantwortungsbewusstsein als Vorbild und als Formel-1-Fahrer hat. Mick Schumacher zum Beispiel würde das nie passieren. Die Erziehungen sind hier auch völlig anders. Mazepin sei eher der Typus reicher Sohn, allerdings mit eher lässiger Erziehung."

Nach dem Vorfall versuchte die junge Frau aus dem Video offenbar den Schaden zu begrenzen. Der Formel-1-Fahrer und sie seien "seit langer Zeit gute Freunde" und die Aktion sei "nicht ernst", sondern ein "dummer Spaß" gewesen, schrieb sie bei Instagram.

Doch das entstandene Bild war da schon in der Welt. "Selbst wenn es im Einverständnis mit der Frau passierte, gibt es ein sexistisches Bild ab – von einem jungen Mann, der keine Manieren hat. Man kann nur hoffen, dass er daraus lernt. Es war dumm und töricht", sagt Görner.

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"Am Ende auch geschäftsschädigend"

Problematisch ist der Skandal nicht nur für den kommenden F1-Rookie, sondern auch den zukünftigen Arbeitgeber Haas. Es führt zu einem "Imageproblem", erklärt Görner. "Die Formel 1 versucht sich seit Jahren von einem althergebrachten, sexistischen Bild zu verabschieden. Gerade in Amerika und bei Besitzer Gene Haas wird sowas genau unter die Lupe genommen. Am Ende ist es auch geschäftsschädigend, was er da macht."

Zudem erwarte Mazepin ein "ernsthaftes Gespräch mit Teamchef Günther Steiner", so Görner. Das Problem für Haas ist der Zwiespalt: Den Skandalfahrer rauszuschmeißen würde unmittelbare finanzielle Einbußen zur Folge haben. Papa Mazepin ist mit seinen Milliarden aus dem Düngemittel-Business ab 2021 eben auch Hauptsponsor des Teams. Selbst bei Haas macht man aus der Tatsache, dass Sohn Nikita als "Pay Driver" im Cockpit sitzt, keinen Hehl. So ging der Sitz neben Mick Schumacher an an den jungen Russen und beispielsweise nicht an Ferrari-Junior Callum Ilott.

Wie also geht es für Mazepin bei Haas weiter? RTL-Experte Görner ist sich sicher: "Haas muss sich entscheiden: War es ein einmaliger Vorfall? Oder gibt es bei ihm ein größeres Problem, sich an gewisse Manieren und Verhaltensweisen als Vorbild in der Formel 1 und in der Öffentlichkeit zu verhalten?"

Dass Mazepin kein Unschuldslamm ist, hat er indes schon mehrere Male bewiesen. 2016 unterstrich er seine fehlende Reife, als er Rivale Ilott nach einem Formel-3-Training aus Frust verprügelte. "So etwas kann man sich in der Öffentlichkeit eigentlich nicht leisten. Es wirft ein schlechtes Bild ab, auch auf den Rennstall. Es fehlt die nötige Selbstdisziplin, die anscheinend er in der Erziehung offenbar nicht bekommen hat. Ich denke, dass bei einem zweiten Vorfall Haas die Reißleine ziehen wird", so Görner.

Ein Blick in die Skandal-Historie von Mazepin (Prügelei/unfaire Aktionen auf der Strecke, weitere Social-Media-Aufreger) zeigt: Die Reißleine kann schneller Realität werden, als ihm lieb ist.