Der Serie droht der Kollaps

Formel 1 setzt für 2021 auf das Prinzip Hoffnung - und den Corona-Impfstoff

2020 Eifel GP NüRBURGRING, GERMANY - OCTOBER 11: Sebastian Vettel, Ferrari SF1000, leads Kevin Magnussen, Haas VF-20 du
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27. November 2020 - 16:26 Uhr

Weitere Krisen-Saison ist nicht drin

Mit einem Rekord-Rennkalender soll die Formel 1 im kommenden Jahr aus der Krise rasen – so stellt sich das zumindest Rechteinhaber Liberty Media vor. Aussagen des Sportdirektor der Serie, Ross Brawn, legen indes nahe: Es regiert das Prinzip Hoffnung. Das gilt nicht nur für seinen Arbeitgeber, sondern auch für viele Teams – von denen einige finanziell auf dem Zahnfleisch gehen.

Haas' größter Erfolg in dieser Saison: "Wir haben überlebt"

Es ist ein Erfolg für die Rechteinhaber der Formel 1 – keine Frage: Dass die Königsklasse mit einem 17 GP umfassenden Rennkalender ein reguläres Ende finden wird - mehrheitlich ohne Zuschauer freilich, aber mit vergleichsweise wenigen Corona-Fällen. Allerdings: Ein weiteres Jahr im Not-Modus kann sich die Serie nicht leisten.

Haas-Teamchef Günther Steiner verriet in Bahrain, dass sein Rennstall in den vergangenen Monaten vor dem Kollaps stand. Es habe "eine große Chance" gegeben, "dass wir nicht mehr hier wären", sagte der Südtiroler. "Wir haben überlebt." Dass sei der größte Erfolg dieser Saison. Ein weitere im Krisenmodus würde wohl nicht nur Haas nicht überstehen.

"Und dann wird der Impfstoff kommen"

"Die Dinge ändern sich schnell, ich bin optimistisch", sagte Formel-1-Sportdirektor Ross Brawn der Gazzetta dello Sport: "Ich denke, dass Australien und die Formel 1 wissen, wie man sich verantwortungsvoll verhält. Und dann wird der Impfstoff kommen."

Das Prinzip heißt Hoffnung, es ist wohl alternativlos. Man müsse "so schnell wie möglich zum normalen finanziellen Niveau zurückkehren", mahnte der einstige Star-Ingenieur von Ferrari in der Ära Michael Schumacher an: "Wir als Formel-1-Gruppe haben alles in unserer Macht stehende getan, um sicherzustellen, dass die Teams überleben konnten. Wir haben keines verloren, nur das zählt."

2021 will Liberty Media wieder Kasse machen

In dieser ungewöhnlichen Saison zahlte die Formel 1 Miete an die Streckenbetreiber, um zumindest die TV-Gelder abzuschöpfen. 2021 will die Rennserie aber wieder üppige Antrittsgagen von den Rennstrecken kassieren und mit einem proppenvollen VIP-Bereich (Paddock Club) weitere Millionen einstreichen.

Es geht natürlich auch ums Geld bei der Vergabe des vierten Saisonrennens 2021 am 25. April. Zum Debüt von Vietnam wird es erneut nicht kommen. Als Kandidaten nannte Brawn die bereits in diesem Jahr eingesprungenen Strecken in Istanbul, Portimao und Imola und fügte vielsagend an: "Einige Länder werden in einer besseren Position sein als andere, weil sie in der Lage sein werden, bessere kommerzielle Angebote zu machen. Das müssen wir berücksichtigen."