Er liebt die Formel 1 noch immer

Sebastian Vettel über seine Ferrari-Zeit: „Ich habe versagt“

ARCHIV - 07.06.2019, Kanada, Montreal: Motorsport: Formel-1-Weltmeisterschaft, Grand Prix von Kanada, 1. Freies Training: Sebastian Vettel aus Deutschland vom Team Ferrari sitzt in der Box und wartet auf den ersten Durchgang des 1. Freien Trainings.
Sebastian Vettel
pch tli fgj fdt, dpa, Ryan Remiorz

Vettel schaut zurück, ohne zu bereuen

„Ich liebe die Formel 1 noch immer. Das hat sich nicht verändert. Aber die Liebe ist anders als noch vor 14 Jahren“, erklärt ein demütiger Sebastian Vettel. Im F1-Podcast „Beyond The Grid“ spricht der Ferrari-Pilot offen und ehrlich über seine Zeit bei der Scuderia und den Menschen hinter dem viermaligen Weltmeister. Dabei scheut er nicht, der Wahrheit ins Gesicht zu schauen und spricht aus, was er über seine Ferrari-Ära denkt: „Ich habe versagt.“

Sebastian Vettel bereut Wechsel zur Scuderia Ferrari nicht

„Ich spreche ungerne über mich. Lass uns über etwas anderes sprechen“, scherzt Vettel zu Beginn der Podcast-Folge – er wirkt bescheiden, zurückhaltend und absolut reflektiert. Ob er bei den Roten einfach zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen sei? Nein: „Ich glaube nicht, dass ich etwas bereuen werde, wenn ich zurückblicke. Es ist wahr, ich habe versagt. Denn ich habe mir das Ziel gesetzt, mit Ferrari den Titel zu gewinnen. Ich habe versagt.“

Ehrliche Worte des Deutschen, der sehr kritisch mit sich selbst ist: „Ich habe es nicht geregelt bekommen, das Ziel zu erreichen. Wenn ich fair und hart mit mir bin, dann ja: Ich habe versagt.“ Vettel weiß aber auch, dass er nicht ganz allein schuld an der schlechten Situation der Roten ist. „Gab es Gründe dafür? Wahrscheinlich schon, aber ich akzeptiere sie nicht als Ausreden“, so der 33-Jährige.

Sebastian Vettel: Leben dreht sich nicht mehr nur noch ums Racing

Trotzdem schaut Vettel nicht mit dem Wunsch zurück, etwas von seiner Geschichte zu ändern. „Alles, was ich gemacht habe, hat mich an den Ort gebracht, an dem ich jetzt bin.“ Der F1-Star wirkt reifer, erwachsener als noch zur Anfangszeit bei der Scuderia. Seine Worte beeindrucken.

„Ich bin älter geworden“, betont Vettel selbst. „Als ich 19 war, war ich ein Teenager. Sicher haben sich meine Prioritäten verschoben. Damals hatte ich Racing und Racing und Racing und Racing. Heute habe ich immer noch das Racing – aber ich bin auch Vater, habe drei Kinder und eine Ehefrau. Ich habe andere Dinge im Leben, die ich liebe und nicht mehr missen möchte.“

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Die F1 darf in seinem Leben aber eben auch noch nicht fehlen. „Ich liebe das Rennfahren“, so Vettel, für den es 2021 bei Racing Point – dann Aston Martin – weitergeht: „Ferrari ist ein spezielles Team – in vielen Bereichen. Da, wo ich hingehe, wird es anders sein. Aber ich freue mich drauf.“

Vettel könnte dann im Startfeld auf Mick Schumacher treffen, der für ein Cockpit bei Alfa Romeo für die kommende Saison gehandelt wird. Angesprochen auf die Fahrt von Schumi jr. in Michael Schumachers Weltmeister-Ferrari von 2004 zum 1000. Rennen der Scuderia, bringt Vettel ins Schwärmen: „Ihn im Auto seines Vaters zu sehen, an diesem Tag, in dieser Woche, das war surreal. Ich mag ihn auch sehr. Er ist einfach ein toller junger Mann. Zu wissen, wer sein Vater in der F1 war und was sein Vater für mich war, machte das Ganze sehr besonders.“