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Formel 1: Sebastian Vettel sieht nach der Barcelona-Schlappe "viel Arbeit" für Ferrari

12.05.2018, Spanien, Barcelona, Motorsport: Formel-1-Weltmeisterschaft, Grand Prix von Spanien, Pressekonferenz nach dem Qualifying: Der Deutsche Sebastian Vettel vom Team Scuderia Ferrari nimmt an einer Pressekonferenz teil. Der Grand Prix von Spani
"Wir haben viel Arbeit vor uns" - Sebastian Vettel warnt sein Ferrari-Team, nicht den Anschluss an Mercedes zu verlieren. © dpa, Gtres, hjp nwi

Von Martin Armbruster

Wie schon in Shanghai und Baku reagierte Sebastian Vettel auch in Barcelona auffallend gelassen auf seinen neuerlichen Rückschlag im Kampf um die Formel-1-WM gegen Lewis Hamilton. "Nicht alarmierend", sondern erwartbar sei die Stärke von Mercedes gewesen, betonte Vettel, den Blick schon optimistisch gen Monte Carlo gerichtet. Scuderia-intern dürfte der Ferrari-Star allerdings die Daumenschrauben anziehen. Denn Gelassenheit allein gewinnt keine Titel – vor allem nicht, wenn der Hauptkonkurrent selbst wie ein Buddah in sich ruht.

Ferrari hat nicht das Maximum rausgeholt

Die Formel 1 ist wie so viele andere Sportarten ein knallhartes Geschäft. Am Ende des Rennens wird Schönfahrerei zwar wohlwollend zur Kenntnis genommen, es zählen aber nur Punkte. So gesehen kann man Vettel nach den ersten fünf Saisonrennen zwar ein gutes Zeugnis ausstellen. Faktisch aber haben Ferrari und sein Vorzeigepilot in den vergangenen drei Grands Prix schlicht und einfach nicht das Maximum herausgeholt.

Stattliche 34 Punkte hat der Deutsche seit seinen beiden Siegen zum Saisonstart auf Hamilton eingebüßt, 17 Zähler beträgt der Rückstand in der WM-Wertung auf den großen Rivalen. In Barcelona war Vettel zum ersten Mal in dieser Saison nicht in der Lage, das Rennen aus eigener Kraft zu gewinnen, gegen einen "stratosphärischen" Hamilton (so die spanische Zeitung 'El Mundo Deportivo') sah er in Katalonien kein Land.

Vettel: "Wir haben viel Arbeit vor uns"

"Gewisse Dinge lassen sich nicht ändern. Ich bin lange genug dabei, ich lasse mich nicht mehr von Kleinigkeiten ablenken", hatte der viermalige Weltmeister vor dem Rennwochenende noch seelenruhig gesprochen. Da sich gewisse Dinge allerdings sehr wohl ändern lassen und die Barcelona-Klatsche auch nicht gerade als "Kleinigkeit" durchgeht, nahm Vettel sein Team umgehend in die Pflicht.

"Wir waren nicht schnell genug. Es liegt viel Arbeit vor uns", stellte Vettel klar und hob mahnend den Zeigefinger: "Dieses Team ist stark und hat viel Potenzial. Aber wir müssen die Probleme angehen." Und davon hat Ferrari freilich genug. Beispiel Reifen: Auf dem Circuit de Catalunya kam Ferrari mit den neuen, dünneren Pirelli-Pneus im Gegensatz zur silbernen Konkurrenz überhaupt nicht klar.

Dünnere Pirelli-Reifen bereiten der Scuderia Kopfzerbrechen

Die roten Strategen riefen Vettel während einer Virtual-Safety-Car-Phase gar zu einem zusätzlichen Boxenstopp in die Garage, weil die Scuderia fürchtete, das Rennen auf den relativ früh montierten Medium-Pneus nicht beenden zu können. Der Ausgang ist bekannt: Vettel fiel von Rang 2 auf 4 zurück und konnte trotz frischer Walzen Red-Bull-Mann Max Verstappen den letzten Platz auf dem Podest nicht mehr streitig machen.

Die Silberpfeile – in den ersten Rennen selbst noch von den Pirelli-Gummis geplagt – verpassten Ferrari in puncto Reifenmanagement eine schallende Ohrfeige. Valtteri Bottas etwa, der sich seine mittelharten Schlappen nur eine Runde später als Vettel angezogen hatte, brummte auf Medium problemlos zu Ende und fuhr auch im letzten Renndrittel noch stabile Rundenzeiten. Ferraris Reifen-Gurus müssen sich etwas einfallen lassen, denn die dünneren Pirelli-Reifen werden auch beim Frankreich-GP in Le Castellet und dem England-Klassiker in Silverstone zum Einsatz kommen.   

Ferrari muss dringend zuverlässiger werden

Neben der Reifen-Malaise muss die Maranello-Truppe ihrem SF71H schleunigst den Defekt-Gremlin austreiben, der in Barcelona einmal mehr Kimi Räikkönen heimsuchte. "Nicht zu entschuldigen", nannte Vettel das Aus seinen finnischen Stallkollegen. Er weiß: Einen Ausfall kann er sich im Kampf mit Hamilton und dessen so zuverlässigen Silberpfeil nicht leisten. Streikt seine 'Loria', ist der WM-Zug womöglich bald schon abgefahren. Deshalb verschärft Vettel jetzt den Ton. Er selbst mag zwar ruhiger und reifer geworden sein. Kapital lässt sich daraus aber nicht schlagen, wenn Ferrari – wie in der Vorsaison – den Anschluss verliert. 

Dominanter Hamilton "schläft wie ein Baby"

Gelassenheit allein gewinnt keine Titel. Schon gar nicht, wenn der Hauptkonkurrent um den Titel seinerseits nicht aus der Ruhe zu bringen ist. Hamilton behielt trotz eines durchwachsenen Saisonstarts stets die Nerven und thront nach der Machtdemonstration von Spanien schon wieder souverän an der Spitze.

Dass Mercedes seine Silber-Diva scheinbar gezähmt hat, spielt dem Weltmeister zusätzlich in die Karten. "Das Auto und ich, das war eine Synergie heute", schwärmte Hamilton nach seinem 64. GP-Triumph und verabschiedete sich in sein Happy Wonderland: "Ich werde schlafen, wie ein Baby." Keine Frage: In dieser Form ist der Brite für Vettel nur zu schlagen, wenn Ferrari zur absoluten Topform zurückfindet.

Hoffnung macht Vettel vor dem Stelldichein in Monaco die Tatsache, dass er Hamilton vergangenes Jahr im Fürstentum vollkommen deklassierte. Außerdem kann Ferrari noch in dieser Woche intensiv an seinen Problemen arbeiten. Der Formel-1-Tross bleibt bis Mittwoch zum Testen in Barcelona.

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