Formel 1: Sebastian Vettel ist wieder in Titelform

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17. April 2017 - 12:32 Uhr

Zweiter Sieg im dritten Rennen: Der Titel-Vettel ist wieder da. Lewis Hamilton versuchte in Bahrain alles, das Team beorderte ihn sogar zweimal am Stallkollegen vorbei. Vergeblich. Entsprechend steigt in Maranello die Zuversicht auf eine neue rote Ära. 

Hamilton fühlt "Schmerzen im Herzen"

Mit dem in Bahrain angesagten Rosenwasser auf dem Podium wollte sich der überglückliche Sebastian Vettel nicht zufrieden geben. "Darf man an Ostern was trinken? Ich denke, ja", scherzte der viermalige Formel-1-Weltmeister nach seinem Sieg im Ferrari beim Großen Preis von Bahrain. Gegen diesen Vettel in Titelform vergangener Zeiten half Rivale Mercedes mit Superstar Lewis Hamilton nicht mal die sonst verpönte Stallregie: Gleich zweimal lotsten die Teamverantwortlichen den Briten an Pole-Mann und Neu-Kollege Valtteri Bottas vorbei. "Das war ein super harter Call, den wir über all die Jahre nicht gemacht haben. Das macht absolut keinen Spaß", sagte Teamchef Toto Wolff.

Schuld ist Vettel. Nach einem guten Auftaktjahr und Enttäuschungen in der vergangenen Saison ist es soweit: Mit dem zweiten Sieg im dritten Rennen und damit dem besten Saisonstart der Scuderia seit 2008 sowie der WM-Führung mit sieben Punkten Vorsprung ist Vettel nun erstmal der, den es zu schlagen gilt. Das weiß Hamilton, das reizt Hamilton.

Nur hinter dem Deutschen zu landen wie in Australien und nun auch in Bahrain, tut ihm weh. "Ich fühle Schmerz in meinem Herzen, wenn ich Zweiter werde", sagte der dreimalige Weltmeister, der nach der gemeinsamen guten Laune auf dem Podest knapp zwei Stunden später in der Mercedes-Unterkunft doch deutlich niedergeschlagener wirkte: "Ich versuche immer so gut wie möglich damit umzugehen."

In Bahrain machten dem Briten die eigenen Fehler und kleinen Detailfragen zu schaffen. Sie raubten ihm die saisonübergreifend siebte Pole in Serie, sie ließen ihn am Start auf Rang 3 hinter Bottas und Vettel rutschen. Und dann brockte sich Hamilton auch noch eine Fünf-Sekunden-Strafe ein, weil er in einer Safety-Car-Phase den späteren Fünften, Daniel Ricciardo im Red Bull, aufgehalten hatte.

Mercedes opfert "Teamplayer" Bottas

BAHRAIN, BAHRAIN - APRIL 16: Lewis Hamilton of Great Britain driving the (44) Mercedes AMG Petronas F1 Team Mercedes F1 WO8 leads Valtteri Bottas driving the (77) Mercedes AMG Petronas F1 Team Mercedes F1 WO8 on track during the Bahrain Formula One G
Lewis Hamilton durfte zweimal am Teamkollegen Valtteri Bottas vorbeiziehen
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Kleinigkeiten werden in diesem Jahr über die WM entscheiden, das wissen alle. "Wir sind ganz nah aneinander dran. Das wird genauso eng weitergehen", betonte Mercedes-Motorsportchef Wolff. "Das ist keine einfache Geschichte, es wird bis zum Jahresende so weitergehen." Dass Ferrari Vettel vor Hamilton und Bottas zum Reifenwechsel für den sogenannten Undercut reingeholt hatte, setzte Mercedes unter zusätzlichen Druck.

68 Punkte hat Vettel, auf 61 kommt Hamilton, der neben seinem Sieg in China zwei 2. Plätze vorzuweisen hat. Bottas ist Dritter mit 38 Punkten. Welche Rolle er im Gigantenduell spielt, wurde aber beim Flutlichtrennen im Königreich am Persischen Golf auch deutlich. Es sei das Schlimmste, was man als Fahrer zu hören bekommen könne. Aber so sei das Leben, kommentierte der 27 Jahre alte Nachfolger des zurückgetreten Weltmeister Nico Rosberg die zweifache Teamorder. Der Freude über die erste Pole im 80. Versuch folgte die Ernüchterung. Aber Bottas gab sich mannschaftlich: "Ich bin definitiv ein Teamplayer, also würde ich (zu einer Teamorder) nicht nein sagen."

Mercedes vereint die Kräfte, um Vettel zu schlagen, der von seinem neuen Ferrari gar nicht genug bekommen kann. "Zur Hälfte des Rennen hab' ich mich schon drauf gefreut, dass nächste Mal in den Wagen zu springen", sagte er. An diesem Dienstag bei den offiziellen Testfahrten in Sakhir ist es schon wieder soweit. Diesmal will auch Hamilton, der bei Proberunden oftmals aus diversen Gründen verhindert war, ran. Denn auch der 32 Jahre alte 54-malige Grand-Prix-Gewinner weiß, was die 'Gulf Daily News' am Montag titelte: "Vettel hat die Sieger-Formel gefunden."

Ferrari-Boss: Sind bis Saisonende vorne dabei

Und die soll bis zum Saisonende gültig sein. Ferraris oberster Boss schrieb wie schon nach dem Sieg in Australien umgehend eine Nachricht an das Team. "Wir sind nun absolut zuversichtlich, dass unser Sieg in Melbourne nicht nur ein einmaliger Erfolg war, sondern dass wir bis zum Ende bei dieser WM vorn dabei sind", betonte Sergio Marchionne. Ob er dabei wusste, dass deutsche Siege in Bahrain mit Blick auf die WM ein gutes Omen sind? Jedenfalls holten Michael Schumacher 2004 im Ferrari, Vettel 2012 und 2013 im Red Bull und Nico Rosberg 2016 den Sieg in Sakhir und am Ende der Saison den WM-Titel.