Formel 1: Sebastian Vettel hat Zweifel an Valtteri Bottas‘ Reaktionszeit beim Start

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9. Juli 2017 - 17:34 Uhr

Valtteri Bottas sprach nach seinem Sieg beim Formel-1-GP in Spielberg vom "besten Start meines Lebens". Sebastian Vettel aber, der schon während des Rennens Zweifel an Bottas' Blitzstart gehegt hatte, wirkte auch nach der Siegerehrung noch ungläubig.

Sebastian Vettel: "Seine Reaktionszeit war unmenschlich"

"Ich will zunächst mal klarstellen, dass ich Valtteri diesen Erfolg nicht absprechen möchte. Er hat ein sehr gutes Rennen abgeliefert und keine Fehler gemacht", stellte der Ferrari-Pilot klar. Aber: "Ich sage, dass ich es nicht glaube, weil ich es eben nicht glaube. Die Reaktionszeiten sind normal andere, und ich glaube nicht, dass alle heute so viel langsamer waren und Valtteri so viel schneller. Ich habe den starken Glauben, dass es ein Frühstart war, aber es hat sich nun herausgestellt, dass es wohl nicht so war. Seine Reaktionszeit war unmenschlich", sagte Vettel, der das Ergebnis so hinnahm. "Es liegt nicht an mir, das zu bewerten."

Fernsehbilder lassen Interpretationsspielraum

Die Rennkommissare hatten den Start natürlich umgehend untersucht und kamen zu dem Ergebnis: Alles in Ordnung. Trotz dieser Entscheidung erhitzte der Start - nicht nur bei Vettel - die Gemüter. "Wir dahinter waren alle überzeugt, dass es nicht richtig war", sagte der viermalige Weltmeister.

Und tatsächlich lieferte RTL Bilder, die zeigen, dass Bottas' Auto möglicherweise doch schon um den Bruchteil einer Sekunde rollte, bevor die Ampeln ausgingen. Dennoch bestätigte der Automobil-Weltverband FIA nach Rennende nochmals in einer Erklärung, dass Bottas nicht zu früh gestartet ist. Und wie passt das mit den Fernsehbildern zusammen?  

Bottas' Start im Toleranzbereich

Tatsächlich gesteht die FIA den Fahrern einen Toleranz-Bereich zu, in dem sie sich das Auto vor dem Erlöschen der Startampel bereits bewegen darf. Wie groß dieser Toleranz-Bereich ist, bleibt ein gut gehütetes Geheimnis. Sonst würden Teams und Fahrer diese Toleranz bei der Optimierung ihrer Starts miteinberechnen. Eine geringe Bewegung der Autos ist erlaubt, weil diese beim Einlegen des ersten Gangs oft einen kleinen Satz nach vorne machen.

Ob der Toleranz-Bereich überschritten wurde, kann aus einem Signal ersehen werden, dass ein im Asphalt eingelassener Bewegungssensor von einem Transponder im Auto erhält. Tatsächlich ist Bottas 0,06 Sekunden vor dem Erlöschen der Startampeln losgerollt. Doch die dabei zurückgelegte Strecke lag eben gerade noch im Bereich des von der FIA erlaubten Bereichs. Heißt: Bottas hat nichts falsch gemacht - auch wenn bei Vettel ein komisches Bauchgefühl bleibt.

FIA-Rennleiter verteidigte die Entscheidung pro Bottas: "Wir setzen die Starttechnik seit 20 Jahren ein, und sie hat nicht ein einziges Mal versagt."