Zukunft der Formel 1 steht auf dem Spiel

Sebastian Vettel fordert eine Regel-Revolution

Sebastian Vettel
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10. Juli 2019 - 16:03 Uhr

Mehr Action abseits der Strecke

Die Formel 1 steht am Scheideweg: Hitzige Debatten über Entscheidungen von Rennkommissaren bestimmen die Berichterstattung. Im Fahrerlager gibt es nach den Rennen bei Interviews oftmals mehr Action als auf der Strecke. KanadaÖsterreich, kaum ein GP vergeht, ohne langwierige und teils intransparente Regeldiskussionen. Für Sebastian Vettel gibt es angesichts dieser Entwicklung nur eine Lösung: Tabula rasa. Eine Regelrevolution muss her – frei nach dem Motto: Weniger ist mehr.

"Brennt die Regeln ab"

"Brennt die Regeln ab und dann lasst uns neu beginnen", forderte der viermalige Weltmeister in einem Interview mit ServusTV. Alles in starre Regeln zu gießen, sei Gift für den Rennsport. "Es ist so schwer, Dinge auf Papier festzuhalten, die so unterschiedlich sein können. Jeder Fall ist unterschiedlich, deshalb glaube ich, geht das nicht", so Vettel. Schwarz und weiß gebe es in der Königsklasse nicht.

Der Regulierungswahn erstickt laut Vettel das Wesen des Sports. Eine Entwicklung, die sowohl den Piloten als auch den Stewards das Leben schwer macht. In diesem starren Regelgerüst sei es auch für die Rennkommissare kaum möglich, Entscheidungen im Sinne des Sports zu treffen. Das Regelbuch kreist wie ein Damoklesschwert über den Rennen. Aber "letzten Endes ist es Unterhaltung, ist es Sport, was wir machen".

Formel 1 kein technischer Vorreiter

Einmal in Fahrt knöpfte sich der Ferrari-Star einen weiteren, grundlegenden Bereich der Formel 1 vor: das technische Reglement. Es gehe in der Zukunft nicht mehr oder weniger als um die Sinnfrage der Königsklasse. Oder anders ausgedrückt. Was will die Formel 1 sein? "Was will man erreichen? Will man die Technologie, die Komplexität auf einen Standard bringen, der so weit weg und nicht greifbar ist? Oder bekennt man sich zur Unterhaltung, zum Sport, zum Wesentlichen und reduziert sich darauf?"

Die Königsklasse sei "in gewisser Weise schon heute kein Vorreiter mehr", so Vettel. "Wir haben kein ABS, keine Traktionskontrolle und keine Stabilitätskontrolle - Dinge, die in jedem halbwegs modernen Auto Standard sind -, weil der Fahrer im Vordergrund stehen soll. Deshalb ist ein Punkt erreicht, an dem man sagt, man bekennt sich zum Sport und nicht mehr dazu, dass die F1 überall technischer Vorreiter ist."

Neue Ära ab 2021

2021 gäbe es die große Chance dazu, die Formel aufgrund auslaufender Verträge zu revolutionieren. "Ich glaube nicht, dass es unmöglich ist, ein Konstrukt und ein Reglement zu schaffen, die diese Dinge mehr in den Vordergrund stellen, aber je mehr Zeit ohne Klarheit verstreicht, desto wahrscheinlicher wird es, dass Dinge so bleiben."