Fünf-Sekunden-Strafe entscheidet das Rennen

Wütender Vettel: Als Erster im Ziel, aber der Kanada-Sieg geht an Hamilton

11. Juni 2019 - 11:30 Uhr

Ein Fehler kostet Vettel den Sieg

Sebastian Vettel hat die Siegesserie von Mercedes nicht stoppen können. Beim siebten WM-Lauf der Formel 1 kam der viermalige Weltmeister in Montreal/Kanada zwar als Erster ins Ziel, jubeln durfte aber Lewis Hamilton: Als Zweiter im Ziel profitierte der Mercedes-Pilot von einer Fünf-Sekunden-Strafe gegen Vettel und feierte seinen 78. Grand-Prix-Sieg. Vettel haderte mit der Entscheidung der Rennkommissare und wartet nun schon seit 15 Rennen und 287 Tagen auf einen Erfolg.

Vettel stinksauer auf die Rennleitung

Vettels Wiederholung des Vorjahres-Triumphs auf der Ile Notre-Dame schien über mehr als die Hälfte des Rennens nicht in Gefahr, doch dann drehte Hamilton auf und trieb den Deutschen in Fehler. In Runde 48 von 70 hielten alle Ferrari-Fans den Atem an: Vettel holperte in Kurve 4 durch die Wiese und drängte Hamilton bei der Rückkehr auf die Strecke um ein Haar in die Betonmauer.

Die Rennkommissare schauten sich den Vorfall mehr als zehn Minuten lang immer wieder in der Wiederholung an, in Runde 58 dann der Schock für Vettel und die Scuderia: Fünf-Sekunden-Zeitstrafe, die nach der Zieldurchfahrt auf Vettels Zeit aufaddiert wurde. Der Deutsche schaffte es danach nicht, den notwendigen Vorsprung auf Hamilton herauszufahren, schimpfte stattdessen minutenlang im Boxenfunk über die vertretbare Entscheidung der von Ex-F1-Fahrer Emmanuele Pirro angeführten Jury.

Vettel blieb damit nur Platz zwei vor Teamkollege Charles Leclerc, Valtteri Bottas im zweiten Mercedes und Red-Bull-Pilot Max Verstappen. Nico Hülkenberg feierte als Siebter hinter Renault-Teamkollege Daniel Ricciardo sein bestes Saisonergebnis, die Top Ten komplettierten Pierre Gasly (Red Bull), Lokalmatador Lance Stroll (Racing Point) und Daniil Kvyat (Toro Rosso).

Im WM-Klassement baute Hamilton seine Führung mit dem fünften Saisonsieg auf 29 Punkte auf Bottas aus, Vettel hat auf Platz drei 62 Zähler Rückstand. Doch das könnte sich noch einmal ändern: Ferrari kündigte nach dem Rennen in Montreal an, einen Protest gegen die Strafe für Vettel zu planen.

Das Rennen im Ticker

Start/Runde 1: Vettels Nerven halten bei der Premieren-Pole der Saison: Der Vorjahressieger erwischt einen blitzsauberen Start, bietet Hamilton keinerlei Angriffsfläche. Der Brite verteidigt sich erfolgreich gegen den drängelnden Leclerc. Dahinter folgen Ricciardo und Gasly. Keinen guten Start erwischt Bottas, der von Hülkenberg kassiert wird. Der Renault-Pilot liegt damit auf Platz sechs. Verstappen, der als einziger der Top Ten auf den harten Pneus losfährt, bleibt auf den ersten Metern Neunter. Vettel, Hamilton und Leclerc fahren auf den Mediums los, Ricciardo und Gasly auf den weichen Reifen.

Start, die Zweite: Weiter hinten wird Alexander Albon noch vor der ersten Kurve von Racing-Point-Pilot Sergio Perez (links) und Alfa-Romeo-Mann Antonio Giovinazzi (rechts) in die Zange genommen. Der Mann aus dem Land mit dem köstlichen Essen (Thailand) verliert dabei die Nase seines Toro Rosso und muss sein Auto in die Box schleppen.

Runde 3: Vettel baut seine Führung aus, liegt nach absoluten Bestzeiten in den ersten Runden zwei Sekunden vor Hamilton, der seinerseits Leclerc abhängt.

Runde 5: Verstappen liefert sich ein packendes Duell mit andon Norris. Der Holländer profitiert von einem Verbremser des McLaren-Youngster und geht vorbei - auf der anschließenden langen Geraden saugt sich Norris mit ähem… "Renault-Power" an den Honda-befeuerten Red Bull heran und der Konter sitzt – Norris ist wieder vor Verstappen.

Runde 7: Norris funkt zur Box: "Der Red Bull ist viel schneller." - Und behält Recht: Sekunden später kassiert Verstappen den Briten und ist damit Achter.

Runde 8: Als erster aus der Spitzengruppe wechselt Gasly von den schnell schmelzenden weichen Reifen und die harte Mischung. Ob die bis zum Rennende hält? Immerhin sind noch 62 Umläufe zu absolvieren. Kurz darauf kommt auch Ricciardo rein.

Runde 9: Erster Ausfall des Rennens: Bei Norris bricht hinten rechts ohne erkennbaren Grund (kein Mauereinschlag, keine Kollision) die Radaufhängung. Im Funk heißt es seitens der Ingenieure: "Sorry mate, I' am so sorry." – Norris stellt sein Auto kurz nach Start-Ziel links neben der Piste ab. Keine Safety-Car-Situation.

Runde 13: Was ist eigentlich mit Bottas los? Der Finne hängt noch immer hinter Hülkenberg auf Platz fünf fest und muss sich scheinbar nach hinten orientieren. Da rollt nämlich Verstappen ganz nah heran.

Runde 17: Erstaunlich: Hülkenberg ist als einziger Fahrer 17 Runden auf den Softpneus unterwegs, ehe er wie alle vor ihm den Hart-Pneu aufschnürt. Damit freie Fahrt für Bottas.

Runde 18: Da ist der erste Mauer-Kuss! Und natürlich macht es einer der heißblütigen Südländer. Giovinazzi touchiert mit seinem rechten Vorderreifen die berühmte "Wall of Champions" - sein Alfa ist aber robust genug, um die Plastikmauer auszuhalten. Weiter geht's für den auf der Zehn liegenden Italiener.

Runde 25: Hamilton hat Vettel immer im Blick, kommt zwar nicht in den DRS-Bereich, aber vielleicht ist da was mit Undercut-Strategie möglich. Leclerc folgt weitere drei Sekunden dahinter. Bottas hat auf Platz vier schon 22 Sekunden Rückstand, könnte aber zu einem Hindernis für Vettel werden, wenn der Spitzenreiter zum Reifenwechsel reinkommt.

Runde 27: Die Rechnung haben wohl auch die Ferrari-Strategen aufgemacht: Vettel kommt in die Box - und nach einem schnellen Reifenwechsel (auf hart) knapp vor Bottas wieder auf die Strecke zurück. Mercedes funkt Hamilton an: "It's hammer-time!" Streichen wir Undercut und ersetzen es durch Overcut.

Runde 29: Hamilton wechselt die Reifen, aber da ist nicht viel mit "hämmern": Bei der Boxenausfahrt liegt Hamilton weit hinter Vettel und geradeso vor Bottas.

Runde 35: Bottas fällt nach seinem Boxenstopp hinter Ricciardo auf Platz sechs zurück und gleich darauf wird es zwischen den beiden mächtig brenzlig. Der Aussie fährt Kampflinie und zwingt Bottas in die Eisen, um eine Kollision zu verhindern.

Runde 39: Endlich geschafft: Nach einigen beinharten Duellen quetscht sich Bottas an Ricciardo vorbei.

Runde 40: Vettel konnte die harten Reifen im Training nie testen. (Ferrari hatte nur einen weißen Pneusatz im Gepäck mitgebracht). Ud das droht sich zu rächen: Hamilton kommt immer näher an den Deutschen heran, ist gleich im DRS-Fenster.

Runde 46: Luft anhalten, denn es wird spannend! Hamilton ist dran an Vettel und darf auf der langen Geraden das fiese DRS-Knöpfchen drücken.

Runde 48: Vettel verbremst sich in Kurve 4, holpert kurz über die Wiese und fährt dann hart Kampflinie gegen Hamilton, um sich vor dem Rivalen zu halten. Lewis wird Richtung Betonmauer gedrückt und geht in die Eisen, um eine Kollision zu verhindern. Im Boxenfunk beschwert er sich über die Aktion von Vettel und die Rennleitung verkündet: "Under Investigation" - der Vorfall wird untersucht.

Runde 51: Verstappen war an der Box (Wechsel von Hart auf Medium) und schnappt sich mit einem grundsoliden Manöver gleich Hülkenberg. Der Niederländer ist damit Sechster, Hülkenberg Siebter.

Runde 58: Und da ist es passiert: Die Rennleitung ist gnadenlos und brummt Vettel eine Fünf-Sekunden-Strafe auf, die nach der Zieldurchfahrt auf seine Endzeit aufaddiert wird. Aktuell hat Vettel 2,8 Sekunden Vorsprung auf Hamilton, 2,2 muss er jetzt im Fernduell noch draufpacken.

Runde 61: Vettel diskutiert im Boxenfunk verzweifelt und minutenlang mit seiner Crew über die Strafe, die er für ungerecht hält. Helfen wird ihm das aber wenig, Hamilton ist bis auf 1,7 Sekunden dran.

Runde 67: Local-Boy Stroll schlüpft unter dem Applaus der Fans am McLaren von Carlos Sainz vorbei und klettert auf den respektablen neunten Platz. Hamilton klebt im Heck von Vettel und schippert seinem fünften Saisonsieg entgegen.

Runde 70/Zieldurchfahrt: Vettel kommt als Erster ins Ziel, aber der Sieg geht an Hamilton. Mit fünf Sekunden obendrauf reicht es für Vettel geradeso zu Platz zwei vor Leclerc.

Das Rennen im Stream bei TVNOW sehen

Die Ergebnisse vom Kanada-GP in Montreal

Der Stand im WM-Klassement​