Formel 1: Sebastian Vettel erntet harte Kritik aus Italien - Hat er sein Talent verloren?

Es läuft einfach nicht bei Sebastian Vettel und Ferrari. Nach dem verheißungsvollen ersten gemeinsamen Jahr in der Formel 1 mit drei Siegen träumte der viermalige Champion zu Beginn der Saison schon vom ersten WM-Titel mit den Roten in der Formel 1. Statt des anvisierten Höhenflugs erleben die Scuderia und ihr Nummer-1-Fahrer derzeit einen nicht für möglich gehaltenen Absturz. Vettels Kollision mit Nico Rosberg und das frühe Aus in der ersten Kurve beim Malaysia-GP passen ins bescheidene Bild, das Ferrari und der 29-Jährige in dieser Saison abgeben.

Vettel scheint mit der Aktion den letzten Kredit bei den Tifosi aufgebraucht zu haben. Am Tag nach dem Desaster von Sepang gingen die italienischen Medien hart mit ihm ins Gericht. "Fest steht, dass Ferrari dringend einen erfolgreichen Piloten braucht", schrieb der 'Corriere della Sera'. Der 'Corriere dello Sport' stellte ernüchtert fest, dass Vettel einen Fehler nach dem anderen begehe: "Am Ende des Rennens sucht er dann Entschuldigungen, und das macht es noch schlimmer."

Keine Frage, dem einstigen Strahlemann der Formel 1 ist sein berühmtes Grinsen vergangen. "Sebastian lacht nicht mehr", titelte 'La Repubblica' und stellte gleich mal die Schuldfrage: "Versenkt Maranello den bestbezahlten Piloten der Ferrari-Geschichte, oder hat Vettel sein Talent und seine Geschwindigkeit verloren?" In Malaysia war diese Frage nicht zu beantworten, weil sich Vettel gleich zu Beginn mit einer Harakiri-Aktion, die man sonst nur bei Formel-1-Anfängern sieht, aller Chancen beraubte.

Verstappen: Vettel ist verrückt

Im Anflug auf die erste Kurve nach dem Start löste Vettel bei dem Versuch, Red-Bull-Youngster Max Verstappen mitten im Pulk erst außen und dann innen zu überholen, eine durchaus vorhersehbare Kettenreaktion aus, der er am Ende selbst zum Opfer fiel. "Vettel ist verrückt. Er ist in Rosberg reingeknallt wie ein Idiot", schimpfte der allerdings auch nicht gerade für seine rücksichtsvolle Fahrweise bekannte Verstappen.

Die Rennkommissare brummten Vettel als den Verursacher der Kollision für den nächsten Grand Prix in Suzuka eine sogenannte Grid-Strafe auf, das heißt, er wird in der Startaufstellung um drei Plätze nach hinten versetzt. Nur Vettel selbst sah die Schuldfrage nicht so eindeutig geklärt. Rosberg sei natürlich zu Recht auf seiner Linie geblieben, sei dann aber "leider früher auf der Bremse gewesen als wir dahinter".

Vettel entschuldigt sich bei Rosberg

Vettel fällt es häufig schwer, eigene Fehler öffentlich einzugestehen und Lehren daraus zu ziehen. Den Vorwurf, er könne nur mit Erfolg, nicht aber mit Misserfolg umgehen, hat er in dieser Saison jedenfalls einige Male bestätigt. "Es ist traurig zu sehen, dass er nicht die Verantwortung für seine Fehler übernimmt", schrieb der 'Corriere dello Sport', und für 'La Repubblica' ist Vettel "nicht wiederzuerkennen".

22 Grand Prix in Folge ohne Sieg seit März 2015 in Malaysia - eine lange Durststrecke für einen, der die Königsklasse vier Jahre lang nach Belieben beherrschte. Immerhin entschuldigte sich Vettel noch am Sonntagabend bei Rosberg, den die ungestüme Aktion mit einiger Sicherheit den Sieg gekostet hatte. "Sebastian hat mich angerufen und sich bei mir entschuldigt", berichtete Rosberg wenige Stunden nach dem Rennen in seiner obligatorischen Videobotschaft: "Das bringt mir zwar nicht die Punkte zurück, aber das war nett."

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Vettel läuft die Zeit davon

Vettel hat bei der Scuderia noch einen Vertrag bis Ende 2017. Das ist nicht mehr allzu viel Zeit, um zu beweisen, dass er vielleicht doch der rechtmäßige Erbe des großen Michael Schumacher sein kann. Die Italiener haben ihren "Michele" geliebt, kein Wunder, brachte dieser doch einst mit deutscher Gründlichkeit den lange vermissten Erfolg zurück nach Maranello. Allerdings: Auch Schumacher musste erst vier erfolglose Jahre mit Ferrari überstehen, ehe er 2000 seinen ersten von fünf WM-Titeln in Rot gewann.

Fraglich ist, ob Vettel diese Zeitgutschrift auch bekommt. "Je mehr Red Bull wächst, desto grauer wird Sebastian", schrieb der 'Corriere della Sera'.