Exklusives RTL-Interview

McLaren-Teamchef Seidl hat kein Mitleid mit Vettel

18. März 2021 - 17:06 Uhr

Formel 1: Andreas Seidl wird bei "MSC" warm ums Herz

McLaren-Teamchef Andreas Seidl und Formel-1-Pilot Sebastian Vettel haben ein sehr unterschiedliches Test-Wochenende in Bahrain erlebt. Während bei den Papaya-Rennern von McLaren samt neuem Mercedes-Motor nahezu alles rund lief, hakte und streikte bei Aston Martin und Vettel die Technik wie wild. Der viermalige Weltmeister kam so auf nur sehr wenige Runden und Testkilometer. Er war damit einer der großen Verlierer der Wüsten-Tests. Mitleid vom deutschen McLaren-Teamchef bekommt Seb allerdings nicht. Wieso Seidl trotz des Fehlstarts an einen starken Auftritt von Vettel und Aston Martin glaubt und wie emotional er auf das "MSC"-Kürzel von Mick Schumacher reagierte, verrät er oben im exklusiven RTL-Interview.

Andreas Seidl
Andreas Seidl bei den Testfahrten in Bahrain am vergangenen Wochenende
© picture alliance, R3667 FLORENT GOODEN

Seidl rechnet mit starkem Aston-Martin-Auftritt

"Mit Sebastian muss man kein Mitleid haben. Er ist viermaliger Weltmeister und sehr erfahren. Ich glaube, er kann gerade aufgrund seiner Erfahrung das Pech, das er wahrscheinlich gehabt hat, sehr gut wegstecken", sagte Seidl im RTL-Interview mit unserem Reporter Felix Görner zum holprigen Aufgalopp von Aston Martin.

Das Team, das in diesem Jahr im British Racing Green an den Start geht, hat der 45-Jährige trotzdem schon ab dem ersten Grand Prix in Bahrain (28. März) auf dem Zettel. "Ich gehe davon aus, dass Aston Martin mit Sebastian sehr, sehr konkurrenzfähig sein wird ab dem 1. Rennen und für uns ein harter Gegner sein wird", so Seidl weiter.

McLaren wieder Dritter? "Es wird eng und spannend"

Ohnehin sieht Seidl sein Team in einem hart umkämpften Fight um den dritten Platz der WM-Wertung. Schon in der vergangenen Saison hatte McLaren hinter den Platzhirschen von Red Bull und Mercedes die Nase knapp vorne.

An der Spitze erwartet er auch 2021 den Zweikampf zwischen den Roten Bullen und den Schwarzpfeilen. "Ich glaube, dass Red Bull und Mercedes ganz vorne die Sache unter sich ausmachen werden", erklärte Seidl. Seine Experten spiegelten ihm nach den ersten Zeiten vom Wochenende, dass beide Teams klar vorne seien. "Dahinter wird es sehr eng. Ich hoffe, dass wir um Platz drei kämpfen können."

Eben jener Kampf zwischen Podiumsplatz und Rang sechs spiele sich innerhalb von ein bis drei Zehnteln ab. "Zwischen uns, Ferrari, Alpine, AlphaTauri und Aston Martin." Dazu hat er auch Alfa Romeo noch auf der Rechnung. Sie scheinen "einen guten Job über den Winter gemacht zu haben". Es werde "extrem eng" und "extrem spannend" im Mittelfeld, verspricht Seidl.

Mick Schumacher: Seidl freut sich über "MSC"-Kürzel

Ein großes Thema bei den Testfahrten war auch das Kürzel "MSC", mit dem Mick Schumacher in dieser Saison antreten wird. Eine Etage tiefer, in der Formel 2, war er noch unter "SCH" gefahren. Nun wechselte Schumi jr. auf das alte Kürzel seines Vater Michael. Da kamen bei vielen Fans emotionale Erinnerungen hoch, auch bei Seidl.

"Ich finde ich es super, dass er sich dafür entschieden hat, mit diesem Kürzel anzutreten. Auch mir wird warm ums Herz, wenn ich MSC auf der Zeitenliste sehe", sagte Seidl. Michael Schumacher sei "ein Held" seiner Kindheit gewesen und der Grund, warum er in der F1 arbeiten wollte.

Als Messlatte müsse man bei Mick die Leistungen im Duell mit Teamkollege Nikita Mazepin ansetzen, betone Seidl. "Stärkster Gegner oder Referenz ist immer der Teamkollege. Gerade wenn man in einem Auto sitzt, dass nicht ganz so konkurrenzfähig sein wird in diesem Jahr", erklärte der McLaren-Teamchef.

Der Sprung in die F1 sei zudem ein "Riesenschritt" für Mick und Co. Die Fahrer müssten auch damit klarkommen, was alles außerhalb des Autos passiere. "Aber ich glaube mit allem, was wir bei Mick gesehen haben, hat er alles was er braucht, um in Zukunft ein Topfahrer in der Formel 1 zu werden."

Wie die meisten Fans fiebert er der Rookie-Saison des Haas-Piloten entgegen. "Ich freue mich jetzt zu verfolgen, wie es Mick in der 1. Saison ergeht."

Mehr zur Formel 1

Auch interessant