Zielflagge, Strafen, MGU-K

Formel 1: Diese Regeln sind in der Saison 2020 neu

2018 Canadian GP CIRCUIT GILLES VILLENEUVE CANADA JUNE 10 Winnie Harlow CDN waves a chequered
2018 Canadian GP CIRCUIT GILLES VILLENEUVE CANADA JUNE 10 Winnie Harlow CDN waves a chequered
© imago/Motorsport Images, Jerry Andre, imago sportfotodienst

02. Juli 2020 - 9:25 Uhr

Mechaniker haben länger Pause, Fahrer weniger Starthilfe

Die große Regelreform in der Formel 1 ist auf 2022 verschoben. Aber auch in der Saison 2020, die mit reichlich Verspätung am 5. Juli mit dem Großen Preis von Österreich beginnt, sind ein paar Sachen neu – angefangen mit einer legendären Flagge.

Die schwarz-weiß-karierte Flagge ist wieder Gesetz

Vergangene Saison noch hatte die Zielflagge als offizielles Zeichen zur Beendigung eines GP ausgedient. Zu Zeremonien-Zwecken wurde sie zwar weiterhin geschwenkt. Offiziell beendete aber eine LED-Leuchte die Rennen. Damit sollten Patzer wie beim Kanada-GP 2018 vermieden werden. Damals winkte das Model Winnie Harlow (oben im Bild) das Rennen in Montreal (übrigens auf falschen Befehl hin) eine Runde vor Ende ab.

Aber auch die Technik war vor vorzeitigen Schlusspunkten nicht sicher. In Japan blinkte das Ziel-Signal schon in Runde 52 von 53 zum Feierabend. Das Ergebnis galt daher ab dem Leuchtzeitpunkt. Kuriose Folge: Sergio Perez heimste als Achter Punkte ein, obwohl er in der letzten Runde ins Kiesbett rauschte und eigentlich ausschied.

Weniger Tests

2020 ist in der Formel 1 weniger getestet worden als im Vorjahr. Bis auf die zwei dreitätigen Testphasen im Februar (19.2. bis 21.2. und 26.2. bis 28.2.) in Barcelona (2019 waren es noch zweimal vier Tage), dürfen in diesem Jahr erstmals unter der Saison keine Tests mit aktuellen Boliden gefahren sein. Vor dem Saisonstart in Spielberg war es den Teams lediglich erlaubt, zwei Jahre alte Boliden zur Wiedereingewöhnung nach der langen Zwangspause zu nutzen. Gewohnte Tests wie in Ungarn vor der Sommerpause fallen somit weg.

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Keine Wahl mehr bei den Reifen

Nachdem Pirelli im vergangenen Jahr bereits die Vielfalt der Reifenmischungen einschränkte, geht der italienische Reifenhersteller nun den nächsten Schritt. Damit besser im Voraus produziert werden kann, gibt es für die Teams in dieser Saison keine Wahlmöglichkeiten bei den Reifen mehr. Teams können also zum Beispiel nicht mehr aggressiver vorgehen und mehr weiche Mischungen als die Konkurrenz bestellen, denn die Vorauswahl wird von Pirelli selbst getroffen und gilt für alle Teams.

Möglicherweise gilt diese Regel aber nur für 2020. Die Reifenproduktion in der Fabrik ist durch das anhaltende Infektionsrisiko nämlich ein wenig in Stocken geraten, weswegen Sonderwünsche der Teams fortan nicht mehr von Pirelli entgegengenommen werden.

Gleiche Reifen für alle
Das gleiche für alle: Spielereien bei der Reifenauswahl wird es 2020 Corona-bedingt nicht geben.
© dpa, Valdrin Xhemaj

Längere Ruhepause für die Mechaniker

Wenn Romain Grosejan und Co. ihre Boliden schon in den Freitags-Sessions zerdeppern, sind die Mechaniker gekniffen. Für sie stehen dann lange Nächte in der Garage an. Ab 2020 dürfen die Mechaniker donnerstags und freitags aber eine Stunde länger im Bett bleiben. Die verpflichtende Ruhepause, während der die Mechaniker weder am Auto arbeiten noch an der Strecke sein dürfen, wird von acht auf neun Stunden verlängert. Die Teams dürfen die 'gesetzliche' F1-Pause während der Saison zweimal streichen – bei ganz gravierenden Fällen. Ein doppelter Joker.

Hai-Flösschen

Die Teams müssen 2020 eine kleine Haifischflosse über der Motorverkleidung anbringen. Sinn und Zweck: Auf die Finne wird die Startnummer der Fahrer lackiert – so sollen die Zuschauer die Fahrer leichter erkennen. Aerodynamisch dürfte die kleine Zusatzflosse kaum Auswirkungen haben.

Eine kleine Flosse über der Motorverkleidung - wie hier bei Carlos Sainz - ist ab 2020 Pflicht
Eine kleine Flosse über der Motorverkleidung - wie hier bei Carlos Sainz - ist ab 2020 Pflicht
© Imago Sportfotodienst

Mildere Strafen bei Wiege-Verstößen und Frühstarts

Weil Pierre Gasly im 2. Freien Training zum Aserbaidschan-GP die Signale übersah, die ihn zum Wiegen beorderten, brummten die Stewards dem Franzosen gemäß der F1-Verkehrsordnung eine happige Strafe auf: Gasly musste aus der Box starten. In der neuen Saison haben die Kommissare hier mehr Spielraum, können das Vergehen mit milderen Strafen ahnden, sofern sie das für angemessen halten.

Gleiches gilt für Frühstarts: Bisher mit Drive-Through- oder gar 10-Sekunden-Stop-and-Go-Penalties bestraft, können die Stewards für zu zeitiges Losrollen künftig weniger harsche 5- oder 10-Sekunden-Zeitstrafen aussprechen.

Metall-Einschränkungen am Frontflügel

Eine kleine Berührung mit dem Frontflügel eines Rivalen und zack - hat man in der F1 oft schon einen Platten. Um das zu verhindern, dürfen die ersten 50 mm der Endplatten des Frontflügels künftig nur noch aus Carbon sein - Metallteile sind hier jetzt tabu.

Weniger Elektronik beim Start

Zwar haben die Fahrer auch 2020 noch ein paar elektronische Starthilfen zur Verfügung. Das richtige Gefühl im Finger der Piloten ist aber wichtiger als in den Jahren zuvor. Denn: 90 Prozent des Motor-Drehmoments hängt ab sofort am Kupplungshebel des Fahrers.

Eine MGU-K mehr

Die Fahrer dürfen während der Saison jetzt drei (und nicht mehr nur zwei) MGU-K-Einheiten benutzen (die MGU-K wandelt die beim Bremsen gewonnene Wärme um und gibt sie beim Beschleunigen in Richtung Kurbelwelle ab). Auch die MGU-H (der Elektromotor, der Abgase in elektrische Energie umwandelt) und der Turbolader dürfen pro Saison dreimal gewechselt werden.

Die neue Regel soll weniger Strafen bedeuten: 2019 überschritten neun der 20 Fahrer das zulässige Limit von zwei MGU-K-Einheiten.